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Wozu Wahlkampf? Wir haben doch schon eine Kanzlerin!

Angela Merkel
Bildnachweis WikimediaImages / CC0 Public Domain-Pixabay.com

Ein Kommentar im „Stern“ bringt es auf den Punkt: Die Bundestagswahl ist gelaufen. Wir dürfen Angela Merkel schon heute und nicht erst in vier Wochen gratulieren. Botschaften? Brauchen wir nicht! Veränderungen in der nächsten Legislaturperiode? Wozu? Wir sind doch alle ganz zufrieden – außer den paar Miesmachern von der Opposition. Eigentlich müssen wir nicht einmal wählen gehen…

Der Kommentator berichtet von einem Pressetermin in der CDU-Parteizentrale, bei dem die Christdemokraten ihre Online-Strategie für den Bundestagswahlkampf präsentierten. Stimmungsbilder in optimistischen Orangetönen, die an Werbung für Eiscreme erinnern, gab es reichlich zu sehen. Die Kanzlerin mittendrin. Keine weitere Botschaft, nicht einmal Versprechungen. Nachfragen seitens der Journalisten stießen auf Unverständnis beim CDU-Bundesgeschäftsführer sowie bei den kreativen Köpfen, die sich diese Bilder ausgedacht haben.

Es geht nur noch um ein Gefühl. Der Kommentator benennt es: Das Gefühl heißt Sicherheit. Das ist es, wofür Angela Merkel steht. Alles bleibt beim Alten wie zu Adenauers Zeiten, als es hieß: „Keine Experimente!„. Nicht einmal mahnen muss die Kanzlerin – ihre Zauberformel lautet: Nichtstun. Damit ist sie seit acht Jahren erfolgreich.

Wie man sich als Politiker beliebt macht

Der „Stern“-Kommentar sagt, welche Politiker hierzulande Sympathien erringen. Nicht in dem Maße wie die Kanzlerin, aber in die richtige Richtung geht es schon bei einigen. Beispiel: Guido Westerwelle. Innenpolitisch hat er sich verabschiedet, als Außenminister punktet er wieder. Nicht wegen seiner Taten, sondern wegen seiner besorgten Statements über die diversen Krisen in der Welt. Parteifreund Rainer Brüderle war als Wirtschaftsminister gut angesehen. Schließlich hatte er stets lobende Worte für mittelständische Betriebe und wirkte auch sonst recht fidel. Von der CDU-Chefin und Kanzlerin geht etwas Beruhigendes aus, der Kommentator spricht von „einschläfernder Ruhe“ – so als sei jeden Tag Sonntagnachmittag. Mit Sonne im Grünen, schön gemütlich.

Anders die Opposition: Sie hat aktiv zu sein um jeden Preis. Sie muss provozieren, kritisieren und angreifen. Und natürlich versprechen, dass sich die Politik ändern wird, wenn nicht mehr die Kanzlerin am Ruder ist. Wie der Kommentator richtig feststellt, hat Angela Merkel ihren Gegnern bereits die Hälfte der Themen stibitzt – zumindest auf dem Papier beschäftigt sich auch die CDU mit Mindestlohn und Regulierung der Finanzmärkte. Dadurch erscheinen die Unterschiede zwischen den Parteien immer verschwommener. Das Resultat: Das Wahlvolk kann nicht gar nicht erkennen, warum es sich anders orientieren sollte. Damit nicht genug: Viele wissen nicht einmal, warum sie zur Wahl gehen sollten.

Es herrscht Frieden im Land

75 Prozent der Deutschen zeigen mäßiges Interesse am Wahlkampf. Das gefällt der Kanzlerin, behauptet nicht nur der Kommentar. Bei niedriger Wahlbeteiligung hat die CDU bessere Chancen. Mehr nach links tendierende Bundesbürger bleiben aller Voraussicht nach zu Hause am Wahlsonntag.

Die Kanzlerin ist zudem Chefin einer Partei, die noch weiß, was Autorität bedeutet. Alle kuschen, auch wenn ihnen manches nicht passt. Bei der SPD läuft der Hase anders: Da wird herumschwadroniert anstatt mal die Klappe zu halten. Alte Recken in der Partei halten das für dilettantisch. Auch Kandidat Peer Steinbrück hat einen (zu) langen Anlauf benötigt, den Absprung aber trotzdem nicht geschafft. Er vertritt als konservativer Sozi auf einmal linke programmatische Parolen. Die nimmt ihm keiner ab. Peer Steinbrück befindet sich in einer „politischen Verspannung„, schreibt der Kommentator. Kein Wunder, dass sich daraus ständig neue Diskussionen ergeben.

Insofern macht die SPD der Kanzlerin ein Geschenk. Sie ist äußerst versiert darin, ihrer politischen Konkurrenz bei der Selbstzerfleischung zuzusehen. Angela Merkel besitzt Kontrolle über sich und ihre Partei. Vier Prozentpunkte liegt die Regierungskoalition bereits vor SPD, Grünen und Linken zusammen. Wir haben damit eine regierungsfähige schwarz-gelbe Mehrheit.

Die Merkelsche Einlulltaktik hat funktioniert. Unsere Sicherheit aber steht auf tönernen Füßen. Der Kommentator erinnert uns daran, dass Griechenland kollabiert, die Eurokrise ansteckend ist und wir von der NSA belauscht werden. Die viel zitierte Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich immer weiter, Deutschlands Kommunen kennen nur noch rote Zahlen.

Fazit: Uns blüht nach der Wahl wieder eine prall gefüllte politische Tagesordnung. Das prophezeit der „Stern“-Kommentar. Bis dahin dümpeln wir träge im Wahlkampf-Sommer. So wie es der Kanzlerin gefällt. Sie sagt nichts, nimmt keine Herausforderung an, zeigt keine Alternativen auf. Das macht die Demokratie so hohl wie einen Kürbis. Zu erwarten ist die niedrigste Wahlbeteiligung aller Zeiten bei einer Bundestagswahl. Niemand soll behaupten, vorher nichts gewusst zu haben.

Über Andreas Kappler

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6 Kommentare

  1. Karlo Paul Töpfer

    Ich denke es liegt nicht am Wahlkampf es liegt daran das die. SPD. Denn falschen Kandidaten. hat er ist ein toller Finanzminister geworden und in die Falle der Presse. Gelaufen die heut zutage mehr bestimmt als der Wähler denn wenn er bei der Presse nicht ankommt dann. fällt er halt durch er wird solange fertig gemacht bis er aufgibt oder nur noch so dahin schwimmt vielleicht sollten wir uns mal überlegen ob das alles Demokratie ist oder ob dies Presse nicht wieder etwas zurückhaltender wird

  2. ich möchte allen nur raten“zur wahl zu gehen ! wir alle sind nicht zufrieden mit dieser unsozialen regierung ! wir müssen ein zeichen setzen“und das geht nur über die wahl ! es kann doch nicht sein,das alles beim alten bleiben soll ! wacht auf “ und geht wählen ! alle räder bleiben stehn,wenn dein starker arm es will ! zusammen sind wir stark ! wir können es zum guten kippen“dann aber auch wählen gehen ! wir sind das volk“wir bestimmen auch wer hier regiert ! wir wollen doch alle was besseres ,wie das wir jetzt haben ! bitte ,bitte „geht zur wahl ! regina müller aus solingen

    • Regina, der größte Teil der Bundesbürger sind mit dieser Regierung zufrieden und alle Hetze z.B. bei unserem West Deutschen Rotfunk werden dazu führen, dass unsere Regierung weitere Jahre unser Land an der Weltspitze hält. Sorry Regina, als Fussballer sage ich klares “ Eigentor “ und „niemand hat die Absicht“ ins eigene Tor zu schießen.

  3. dazu möchte ich hinzufügen, aus allen kommunistischen Ländern wurden korrupte und von Milliardären reagierte kapitalistische Staaten. Kann ich nur die Worte von Regina nutzen… „wacht auf “ obwohl der Begriff negativ bekannt ist.

  4. Wir haben mit nicht nur eine Kanzlerin – wir haben die Königin.

    Und mit ihr eine ziemlich totalitäre monarchistische Demokratie.
    Wer Widerworte gegen die Alternativlosigkeit der Königin führt, der landet auf dem Scheiterhaufen des Rechtspopulismus. – So einfach geht das.

    Da kommt doch Geschichte wieder hoch:
    * vor 80 Jahren kamen die roten und braunen Schlägertrupps zu den Andersdenkenden
    * haben Sie vom Ansgriff auf Prof. Lucke vor einer Woche gehört? – In der Tagesschau?
    * unsere Staatsmedien berichten vorsichtshalber nicht drüber, weil die AfD gibts ja eigentlich am liebsten gar nicht und die ist böse und die links-grünen Krawallmacher haben doch nur paar „Rechtspopulisten“ aufs Korn genommen

    ooops, da kommt ja noch mehr Geschichte wieder hoch:
    * hat die Königin drüben gut aufgepasst?
    * Staatsfernsehen, inzwischen kommt’s mir vor wie in der „DDR“
    * Blockparteien, die alles abnicken und nichts für die Volksinteressen tun

    Gute Nacht Demokratie!

    Die aktuelle Ideologie ist der EUROismus. – Zweifel verboten.
    Wer die Missgeburt EURO in Frage stellt, die Einhaltung der Maastricht Verträgen fordert,
    dem wird einfach mal unterstellt, er sei gegen die EU und Schengen und überhaupt ein Nationalist und also ein eigentlich ein Brauner. – So einfach geht’s in unserer Demokratie.

    Tja, wenn Argumente und das Fachwissen fehlen, dann ist das in allen totalitären Systemen so.
    Dann wird die ideologische Keule geschwungen.
    Und diese Keule hat den plumpen Namen „Alternativlosigkeit“ = Ich bin die Größte, ich bin die Allwissende, glaubt mir. Und wehe, wenn nicht! Amen.

    Aber zum Glück gibt es eine Alternative für Deutschland …

    Leute geht zur Wahl!

  5. JEDER klagt über die jetzige Regierung, aber bei Umfragen liegt sie merkwürdigerweise immer noch vorne. Hier sind zwei Videos mit interessanten Daten und Links in den Beschreibungen:

    http://youtu.be/fxmeDxyFzQ8

    http://youtu.be/6HnBkjuagX8

    AUFWACHEN und unbedingt Schwarz-Gelb ABWÄHLEN, da sie sonst ihre bisherige ungerechte Sozialpolitik fortsetzen!!! U. von der Leyen hat schon angekündigt, im Amt bleiben zu wollen!!!

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