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Wahlwerbespots der Kleinstparteien – semiprofesionelle Wahlwerbung die Sie wahrscheinlich nie gesehen haben

Bildnachweis stux / CC0 Public Domain-Pixabay.com

(AK) Sicher kennen Sie die Wahlwerbespots der großen Parteien, die über ein hohes Budget und gute Medienberater verfügen und ihre Wahlwerbung daher professionell gestalten können. Doch haben Sie auch die teilweise absurden, langweiligen, lustigen und inhaltsleeren Wahlwerbespots der deutschen Kleinstparteien gesehen? Wir wollen Ihnen diese nicht vorenthalten und haben daher hier eine Auswahl mit Kommentaren zusammengestellt.

Die BIG Partei: Der Meditationswerbespot

Dieser Wahlwerbespot wirkt wie eine billige Home-Produktion. Während der gesamten Sendezeit von 1:31 Minute steht der Vorsitzende der BIG Partei einfach nur frontal vor der Kamera und sagt in monotoner Weise seinen Text herunter. Währenddessen läuft im Hintergrund beruhigende Meditationsmusik. Das wirkt dann auch auf den Zuschauer sehr entspannend. Leider weiß dieser am Ende so viel über die BIG Partei und deren Inhalten, wie vor dem Betrachten des Wahlwerbespots.

Bürgerrechtsbewegung Solidarität – BüSos: eine Wutbürgerin spricht

Diese Wahlwerbung stellt ein typisch polemisches Meckern über die Finanzkriese dar, die als der Grund allen Übels gesehen wird. Mit dem rhetorischen erhobenen Zeigefinger werden immer wieder die gleichen Kritikpunkte angebracht. Die Werbung hat dann auch nur einen inhaltlichen Punkt, dies ist die Realwirtschaft zu stärken. Es wird versucht, das mit dem rhetorisch zweifelhaften Mittel von Überbetonung einzelner Silben zu bestärken, was auf den Zuschauer etwas nervend wirkt.

Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands – MLPD: alte Forderungen in neuem Glanz

Der Wahlwerbespot der MLPD ist im Vergleich zu anderen Spots der Kleinstparteien zumindest gut produziert. Die Hintergrundmusik erinnert an Armageddonszenen oder den Weltuntergang. Mit Animationen über die Finanzkriese, Videos von Demonstrationen und Bildern von verarmten Menschen wird hoch emotionalisierend gearbeitet. Die MLPD zeigt aber auch eigene Inhalte wie Solidarität, Befreiung und „radikaler Sozialismus“, ohne nur über Missstände zu klagen.

Die Violetten: Alternative Ökos sprechen im Kuschelton über die Wirklosigkeit von Wahlen

Die Violetten zeigen in ihrem Wahlwerbespot, dass sie sich selbst sehr gut widersprechen können. Der Spot beginnt mit dem Statement, dass „der gesellschaftliche Wandel nicht durch Wahlen entschieden wird“. Es bleibt die Frage, warum sie sich denn dann zur Wahl stellen und sogar dafür werben. Die Antwort liegt in der Glühlampe. Überzeugt?

Die Partei bibeltreuer Christen – pbc: Homophobie und veraltete Werte

Ein schlecht gemachter Wahlwerbespot mit auswendig vorgetragenen Szenen aus dem „wahren Leben“ und fragwürdigen Frisuren repräsentiert die Partei bibeltreuer Christen. Homophobe Inhalte und Panikmache vor einer unsicheren Zukunft bilden die Grundlage für diesen Spot. Die Wahlwerbung hinterlässt ungute Gefühle beim Zuschauer, der Angst darüber haben kann, dass solche Menschen tatsächlich in Deutschland existieren.

Die Bayernpartei: ein urbayrischer Wahlwerbespot

Der Wahlwerbespot der Bayernpartei zeigt, was der Name verspricht. Der Sprecher kann seinen bayrischen Akzent nicht ablegen, die gezeigten Menschen tragen bayrische Trachten und die Szenen sind in Bayern gedreht. Inhaltlich wirken die Forderungen etwas absurd, da von Bayern als von einem unabhängigen Land gesprochen wird und kritisiert wird, dass Bayern nicht in Brüssel vertreten ist. Ob da ein paar grundlegende Dinge nicht verstanden wurden?

Die Ökologisch-Demokratische Partei -ÖDP: Anklage der anderen Parteien und Farbenspiel

Der Wahlwerbespot der ÖDP ist recht unterhaltsam gemacht und gut verarbeitet. Mit auf dem Punkt gebrachten Zynismus und Kritik gibt der Spot der ÖDP gezielte Pointen gegen die anderen Parteien. Da alle bisherigen Farben nicht wählbar seien, stellt die ÖDP mit Orange die Alternative. Dabei werden die eigenen Inhalte ein wenig außer Acht gelassen, aber man kann auch nicht an alles denken.

Freie Wähler: Politik am Badesee

Der Spot der Freien Wähler ist innovativ und bringt Abwechslung in die vielen trockenen Wahlwerbungen. Gezeigt werden spielende Kinder am Badesee und zwei Erwachsene, die sich anhand des Kinderspieles über die erwünschte Zukunft Deutschlands unterhalten. Der Spot ist eingängig und vermittelt die Forderungen und Inhalte der Freien Wähler nachhaltig.

Die Partei Die Partei: sie ist sehr gut

Die Wahlwerbung von der Partei die Partei ist einmalig in ihrer Umsetzung und der gezielt satirischen Durchführung. Während des Wahlwerbespots erhält die Partei mehrmals Prädikate, die an die Stiftung Warentest erinnern. Zudem verspricht die Wahlwerbung Geschenke, wie zum Beispiel einen Bund Bananen, für Wähler der Partei. Ein einmalig lustiger Spot, der ohne Inhalte auskommt, was wiederum mit dem Programmpunkt der Partei „Inhalte überwinden“ harmoniert.

Bündnis21/RRP: Politik am Kaffeetisch

Der Wahlwerbespot des Bündnis21/RRP zeigt eine Familie, die über drei Generationen reicht am Kaffeetisch von Oma. Abwechselnd werden Fragen aufgeworfen, die dann von einem eingeblendetem Textblock, mit schlechter Hintergrundmusik untermalt, beantwortet werden. Wie diese Partei mit dem Spot, der wirkt als sei er vor sehr langer Zeit produziert, darstellen möchte, dass sie die Partei des 21. Jahrhunderts ist, bleibt offen.

Über Andreas Kappler

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