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Versicherer planen Lebensversicherungen ohne Garantiezins

Lebensversicherung ohne Garantiezins
Foto: lichtmeister – Fotolia.com

(AK) Mit einem hohen Garantiezins von vier Prozent galt die Lebensversicherung über lange Zeit als attraktive Anlageform. Die Mindestverzinsung sank in mehrfachen Schritten, nun wollen die Versicherungen sogar Verträge ohne diese Absicherung anbieten. Sie reagieren damit auf finanzielle Schwierigkeiten.

Neues Versicherungsmodell: Policen ohne Mindestzins über die gesamte Laufzeit

Mit den Gesellschaften Ergo und Allianz gehen zwei bedeutende Unternehmen ungewohnte Wege bei Lebensversicherungen. Bisher zeichneten sich diese Verträge durch einen garantierten Zinssatz aus, den Versicherte bis zum Laufzeitende mindestens erhielten. Früher lag dieser bei vier Prozent, heute bei immerhin noch 1,75 Prozent. Künftig wollen die beiden Versicherer nur noch einen bestimmten Zinssatz über die ersten Jahre festlegen. Danach können sie ihn an die jeweilige Marktlage anpassen. Andere Unternehmen haben bereits signalisiert, dass sie ebenfalls über solche Modelle nachdenken. Vorläufig wollen Ergo und Allianz die alten und die neuen Produkte parallel führen. Experten sind sich aber einig: Bald werden alle Gesellschaften komplett auf diese Variante umstellen.

Finanzieller Druck: Weswegen die Versicherer handeln

Die Unternehmen sehen sich nämlich zunehmend mit einer schwierigen Lage konfrontiert. Sie müssen noch zahlreiche Verträge mit einem Garantiezins von vier Prozent ausbezahlen. Seit einigen Jahren betreibt die Europäische Zentralbank aber eine Niedrigzinspolitik, um die Banken- und Schuldenkrise zu bekämpfen. Für festverzinsliche Wertpapiere erhalten Investoren kaum mehr Erträge. Das trifft Versicherungsgesellschaften mit riesigem Kapitalvolumen besonders hart. Viele Verträge ihrer Kunden müssen sie hoch verzinsen, zugleich erwirtschaften sie an den Finanzmärkten eine geringere Rendite. Schon vor Beginn der Krise unterboten die Zinssätze weit das Niveau, auf dem sie noch in den Neunzigern notierten. Deshalb korrigierte der Staat die gesetzlich garantierte Verzinsung mehrfach nach unten, was aber immer nur Neuverträge beeinflusst. Versicherer ziehen aus den Problemen mit den Altverträgen die Lehre, sich künftig solcher jahrzehntelangen Festlegungen zu entledigen. Wenn die Kapitalmärkte nur Mini-Zinsen bieten, wollen sie künftig flexibel darauf reagieren können.

Führt Umstellung zu geringeren Umsatzzahlen?

Sparer fragen sich schon seit der letzten Absenkung des Garantiesatzes besorgt, ob sich der Abschluss einer Lebensversicherung noch lohnt. Diese Diskussion dürfte mit den neuen Modellen noch befeuert werden. Die Versicherer sehen der Zukunft gelassen entgegen, sie befürchten keinen Rückgang der Vertragsabschlüsse. Sie verweisen darauf, dass sich Sparern kaum bessere Alternativen bieten. Banksparpläne oder Festgeldkonten würden eine schlechtere Rendite zeitigen. Deshalb spricht der aktuelle Zinssatz von 1,75 % plus Überschussbeteiligungen ihrer Meinung nach für eine Police. Auch die künftigen Verträge sollen laut Verantwortlichen so ausgestaltet werden, dass Sparer von einer Lebensversicherung profitieren. Eine genaue Bewertung können Interessierte aber erst vornehmen, wenn die beiden Gesellschaften Ergo und Allianz die Details ihrer Produkte präsentieren. Bisher haben die Unternehmen nur das grundsätzliche Konzept offenbart.

Über Andreas Kappler

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