Startseite / Finanzen / ¡Hola! los bancos – Spanische Banken zocken mit deutschen Steuergeldern

¡Hola! los bancos – Spanische Banken zocken mit deutschen Steuergeldern

Bild: Hiero  / pixelio.de
Bild: Hiero / pixelio.de

(AK) Laut EU-Bericht sind keine weiteren finanziellen Hilfen für spanische Banken nötig. Den geflossenen 41,3 Milliarden Euro müssen keine weiteren folgen, so die EU-Kommission. Bis zu 100 Milliarden wurden der spanischen Regierung 2012 bewilligt – diese Summe hatte die Europäische Gemeinschaft den iberischen Geldinstituten zugesprochen. Damit sollte verhindert werden, dass die angeschlagenen Banken baden gingen – und mit ihnen Seine Majestät, der Euro.

¡Señoras y señores!, alles wie gehabt?

Selbst EU-Experten bleiben skeptisch: Gibt es noch mehr Insolvenzen und Arbeitslose als bisher, könnte sich zeigen, auf welch tönernen Füßen die spanischen Banken stehen. Außerdem hat sich die Lage am Immobilienmarkt noch nicht komplett beruhigt. Analysten erwarten weitere Ausfälle von Immobilienkrediten.

Kritiker der gesamten Aktion sehen das Projekt „Bankenrettung“ als gescheitert an, denn offenbar gelten für die professionellen Geldjongleure andere Gesetze. Oder hat etwa jemand Peseten mit Euro verwechselt?

Vier spanischen Geldhäusern stand im vergangenen Jahr das Wasser bis zum Hals – bis die Mittel aus dem ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus) eintrafen, mit denen der Grund, auf dem die Banken stehen, wieder trockengelegt wurde. Doch Undank ist bekanntlich der Welten Lohn! Was machten nämlich die cleveren Finanzakrobaten jenseits der Pyrenäen? Sie lagerten flugs ihre wertlosen Papiere aus und kehrten zurück zum Tagesgeschäft oder treffender: an ihre Übungsplätze, um noch bessere Jongleure zu werden – arriba!

Dass die zuvor noch so ratlosen Artisten ganz unbefangen mit den 21,6 Milliarden Euro aus deutschen Steuergeldern trainierten, schien sie nicht zu stören. Hierzulande aber stieß dies manchem sauer auf. Derweil demonstrierten Angela Merkel und ihr Kollege Mariano Rajoy traute Eintracht, wie es unter Geschäftspartnern üblich ist. Und wir sollen dazu applaudieren, unseren Urlaub brav auf Mallorca oder an der Costa Brava verbringen, wie es sich für den reichen Onkel aus dem Norden gehört.

„Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast …“

Aus diesem US-Horrorfilm wurde längst ein zerläppernder Dreiteiler. Aber wie war das eigentlich letzten Sommer? Wurde nicht in einer Krisensitzung des Deutschen Bundestages entschieden, mal eben 21,6 Milliarden Steuergelder nach Spanien zu verschieben? Zur Rettung von Banken und zum Wohle des maroden Euro? Insgesamt stehen den Spaniern viele weitere Milliarden Euro Rettungsgeld zu, das ihnen aus den Töpfen der EFSF (Europäische Finanzstabilisierungsfazilität) und des ESM überwiesen wird. Es sieht so aus, als würde mit dem „Vorschuss“ jongliert, als wäre nichts geschehen.

¡Caramba!, was läuft da eigentlich?

Ende Mai 2013 belief sich der Anteil der Risiko-Papiere bei den spanischen Banken auf 11,2 Prozent – im November 2012 waren es genau 11,4 Prozent. Diese Zahlen teilte die spanische Zentralbank Anfang Juli mit. Auf 170 Milliarden und damit auf mehr als 14 Milliarden als im ESM-Deal vereinbart belaufen sich diese „gefährdeten Positionen“. Vor der Finanzkrise 2007 wurden sie auf ein Prozent der Gesamtsumme veranschlagt.

Drei Banken, die mit ESM-Geld stabilisiert werden sollten, wackeln weiter in den Grundfesten. Die Banco Catalunya, die Banco NCG und obendrein die Bankia wurden kürzlich von der Ratingagentur Moody’s um mehrere Punkte herabgestuft. Die Vierte im Bunde, die Banco Valencia, schluckte Spaniens Bankgigant „La Caixa“.

Dieses Unternehmen hat sich beachtlich geschlagen dank hoher Abschreibungen aus dem Zusammenbruch des Immobilienmarktes und der Konsolidierungsmaßnahmen auf dem Bankenmarkt. „La Caixa“ verzeichnet schon wieder höhere Gewinne aus Investment-Geschäften, die als risikoreich gelten. Im ersten Halbjahr 2013 beliefen sich die entsprechenden Einnahmen auf 440 Millionen Euro. In den Bilanzen „der Kasse“ finden sich wie bei anderen spanischen Banken weiterhin faule Kredite.

Aufpassen, amigos, es könnte eng werden!

Experten meinen, bei den drei Staatsbanken gebe es nach wie vor große Kreditrisiken – daran ändern die von europäischen Steuerzahlern finanzierten Rettungsmilliarden nichts. Auch die vom Staat gegründete Bad Bank „SAREB“ als „Schredder“ für Giftpapiere konnte das Blatt nicht wenden. 50 Milliarden Hypotheken-Kredite lagern inzwischen bei „SAREB“ – eine Zeitbombe?

FROB, der staatliche Rettungsfonds, möchte die Banco NCG und die Banco Catalunya abstoßen, weil sich deren Finanzlage offenbar rapide verschlechtert. Im Februar scheiterte ein Versuch, die mit neun Milliarden ESM-Euro „gerettete“ Banco Catalunya zu verkaufen. Als Reaktion darauf trennten sich die Banken konsequent von gepfändeten Immobilien, was angesichts der stark gesunkenen Immobilienpreise höchste Jonglage-Kunst erforderte. Die Preise werden noch um weitere 20 Prozent sinken, prophezeien Experten.

Wohin mit den Schrott-Papieren? Diese Frage treibt die Banken weiter um. Gleichzeitig gehen sie mit dem billigen Geld von der Zentralbank neue riskante Deals ein. „La Caixa“ und die Bankia-Gruppe sind Spitzenjongleure. Letztere ist die viertgrößte Bank in Spanien und stand mit einem Jahresverlust 2012 in Höhe von zwei Milliarden Euro kurz vorm Aus.

Anders sieht es im ersten Halbjahr 2013 aus. Nach Vorsteuergewinnen des Mutterkonzerns BFA-Bankia von 428 Millionen Euro und weiteren 192 Millionen von der Bankia wittern Spekulanten bereits Morgenluft. Der Verdienst von 1,8 Milliarden aus „hybriden Wertpapieren“ ist dabei nicht eingerechnet.

Die Troika ist trotzdem zufrieden und optimistisch, dass der spanische Finanzmarkt gesundet. Ob da die Rechnung ohne die begnadeten Jongleure gemacht wird?

Über Andreas Kappler

Check Also

Die geldlose Gesellschaft als endgültige Lösung der Finanzkrise?

(AK) Es ist eine Vorstellung, die Künstler, Dichter, Denker und Freigeister schon immer fasziniert und …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.