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Schwäbisch Gmünd – Lohndumping 2.0

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(AK) Die beschauliche Stadt Schwäbisch Gmünd in Baden Württemberg sorgt für ordentlich für Furore, denn hier kann man jetzt Asylantenbewerber live als Kofferträger erleben. Was der Bürgermeister für eine optimale Alternative hält, wird von vielen Gegnern als Ausnutzen der Notlage anderer Menschen angesehen. Wir haben die Fakten für Sie.

Fehlplanung als Ursache

Alles fing an mit der Modernisierung von dem Schwäbischer Gmünder Bahnhof – schließlich muss man mit der Zeit gehen. Doch schnell fiel auf, dass bei dem rund sieben Millionen Euro teuren Auftrag eine Kleinigkeit vergessen wurde: der provisorische Zugang zu den Bahngleisen ist alles andere, als behindertengerecht und sorgt auch bei den älteren Bewohnern für Beschwerlichkeiten beim Hochgehen. Kein Gepäckband nimmt ihnen die Arbeit ab und auch ein Aufzug ist hier nur Wunschdenken. „Macht nichts“ muss sich wohl der Bürgermeister gedacht haben und stiefelte gleich zum Asylanttenwohnheim für ein unglaubliches Angebot. Für einen Hungerlohn von nur 1,05 Euro pro Stunde bot er den Flüchtlingen an, dass sie doch einfach den Bewohnern die beschwerliche Arbeit abnehmen könnten. Und tatsächlich haben sich auch zahlreiche Freiwillige gefunden, die seit dem Tag nun Koffer rauf- und runterschleppen.

Der Pressesprecher spricht von Respekt

Markus Herrmann ist der Pressesprecher von Schwäbisch Gmünd und bezeichnet diese Aktion mit Respekt – es gehe halt weniger darum, den Menschen ein hohes Gehalt für ihre Tätigkeit zu geben, sondern viel mehr um die Arbeit an für sich. Da tut sich einem doch gleich die Frage auf, warum den entsprechenden Asylbewerbern nicht bereits vor der Misere bei der Modernisierung des Bahnhofes eine geeignete Tätigkeit angeboten wurde?! Ist dieser so genannte Respekt nicht vielleicht doch erst dadurch entstanden, dass die Stadt die Arbeit der Asylbewerber zu ihren Gunsten nutzen kann?!
Zugegeben – der Hungerlohn ist nicht willkürlich gewählt, da dieser nach den Asylbewerbergesetzen gar nicht höher ausfallen darf. Dennoch ist es traurige Wahrheit, dass der beschwerliche Weg zu den Bahngleisen für die deutschen Bewohner als Zumutung angesehen wird und dafür die hilfsbedürftigen Menschen mit 1,05 Euro pro Stunde entlohnt werden. Für die Flüchtlinge scheint es eine durchaus zumutbare Angelegenheit zu sein – zumindest aus Sicht der Stadt Schwäbisch Gmünd. Hier herrscht halt „der Respekt“ gegenüber den Asylbewerbern…

„Die Asylbewerber sind dankbar für diese Tätigkeit“

Sieht man sich einmal die Stellungnahmen einzelner Asylbewerber zu diesem Thema an, dann scheint das Konzept eine heile Welt zu sein. Sie sind glücklich über diese Tätigkeit und freuen sich, dass sie den anderen helfen können. Wäre natürlich auch nicht denkbar gewesen, dass sich diese in der Öffentlichkeit darüber negativ auslassen – sonst wird das hingeworfene Häppchen diesen Menschen schließlich auch gleich wieder entzogen. Und selbst wenn es ihre ehrliche Meinung ist, so spiegelt das doch im Grunde nur die Traurigkeit ihrer Situation wider. Sie sind es schließlich nicht anders gewöhnt und sind bereits dankbar für die Tatsache, dass sie nach Deutschland flüchten konnten. Und die Stadt hat nichts Besseres zu tun, als diese Menschen für ihre Zwecke auszunutzen. Fazit: Fehlplanung gekonnt umgangen und das auf Kosten der hilfsbedürftigen Menschen. Fragt sich nur, was diese dankbaren Menschen empfinden werden, wenn ihnen nach Anerkennung des Asyls einmal verraten wird, was es in Deutschland mit Mindestlohn und Co. auf sich hat – vielleicht wird sich die Dankbarkeit dann doch in eine ganz andere Richtung wandeln.

Über Andreas Kappler

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