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Ökonomischer Harakiri mit Hedgefonds

Bildnachweis geralt / CC0 Public Domain-Pixabay.com

Seit die Menschen Handel treiben, haben sie das Problem, mit zukünftigen Preisentwicklungen zu kalkulieren. Mit den Hedgefonds entwickelte ein kluger Amerikaner ein Absicherungsinstrument. Einfach gesagt verkaufte er Aktien zu einem Tageswert und kaufte sie später zu einem niedrigen Wert wieder zurück. Die Preisdifferenz war der Gewinn. Dieses Prinzip des Leerverkaufs übertrug sich im Lauf der Jahre auf jede erdenkliche Ware und jedes handelbare Wirtschaftsgut wie beispielsweise Währungen. Bedingung für einen Gewinn war und ist immer die Bewegung eines Kurses nach unten, der den Verlust ausgleicht, der auf der anderen Seite durch den Preisverfall entsteht. In der Theorie kann klug angewendetes Hedging zu einem Nullsummenspiel für den Unternehmer oder Anleger werden, da die Preis- oder Kursentwicklung in jede Richtung abgesichert ist. Durch die Komplexität des Geld-, Zins- und Währungssystems weltweit entfernten sich Hedgefonds immer weiter von dieser ursprünglichen Aufgabe.

Schon lange am Zweck vorbei

Was seit Gründungszeiten bis heute immer gleich blieb, ist der enorme Kapitalbedarf zu Beginn jeder Transaktion, der nur durch Kreditaufnahme finanziert werden kann. Dieses Geld kostet wiederum Geld, die Zinsen, und dadurch schmälert sich der Gewinn auf der Seite der fallenden Werte oder Kurse. Genau an diesem Punkt begannen sich die Hedgefonds aus dem Kreislauf erwirtschafteten Geldes auszuklinken. Die bewegten Summen schufen und schaffen zunehmend reines „Buchgeld“, das durch immer kompliziertere Handelswerkzeuge, den Derivaten und einen Hebeleffekt ihren eigenen Wert wie einem Perpetuum Mobile in Unermessliche steigerten und steigern. Das größte Problem dieser Konstruktionen besteht darin, dass das Buchgeld bei der Kursentwicklung in die unerwartete Richtung riesige Schuldenberge erzeugt. Wenn diese Schuldenwerte den Fondsbestandswert übersteigen, koppelt sich das finanzielle Ergebnis wieder an den realen Wirtschaftskreislauf an. In diesem Moment können nur Gewinne auf der ursprünglich abzusichernde Seite die Verluste ausgleichen. Diese Gewinne aus dem regulären Wirtschaftskreislauf, also Geld, das aus Mehrwert geschaffen wird, hat allerdings keine Chance, derartig große Summen oder Werte zu bilden.

Größere Summen als große Volkswirtschaften

Das jahrelange Wachstum an Geldern, die in Hedgefonds flossen, haben zur Bewegung, Investition und Spekulation von Summen geführt, die in der realen Volkswirtschaft nur von wenigen Staaten auf der Erde erwirtschaftet werden können. Da Hedgefonds ihre Zahlen und Ergebnisse nicht offen legen müssen und es auch nicht tun, können nur Schätzungen von Wirtschaftsexperten erfolgen. Derzeit gehen Fachleute von einem Kapitalvermögen von rund einer halben Milliarde US-Dollar aus, das in Hedgefonds angelegt ist. Zusammen mit dem Buchgeld entsteht daraus eine Gesamtsumme von rund 1,5 Billionen US-Dollar, mit der auf künftige Preise und Kurse spekuliert und gesetzt wird. Diese Summe ist knapp die Hälfte des in Deutschland 2012 komplett erwirtschafteten Bruttosozialproduktes (BIP) von 3,4 Billionen US-Dollar. Der Kontinent Australien hatte 2012 ein BIP von 1,5 Billionen und Schweden brachte ungefähr 500 Millionen US-Dollar zusammen, soviel wie die momentanen Kapitaleinlagen in den Hedgefonds ausmachen.

Wenn ein Zufall auf den Zufall trifft

Diese enormen Summen werden weiterhin auf festgelegte Rückkaufspreise in der Zukunft gesetzt. Spekulationsobjekte sind Ernten, Währungsschwankungen, Konsumprodukte, virtuelle und reale Dienstleistungen und vieles mehr. Auf die Preis- oder Kursverläufe wirken Faktoren wie Kriege, Unwetter, Naturkatastrophen, politische Verhältnisse einschließlich Wahlergebnissen und unendlich viele weitere Variablen. Der unvorhersehbare Zufall ist ein unmittelbarer Begleiter der Summen, die Hedgefonds einsetzen. Wenn sich dann noch der Zufall dazu gesellt, das viele Hedgefonds gleichzeitig auf die gleichen falschen Erwartungen und Entwicklungen gesetzt haben, ist der wirtschaftliche Tod nicht weit. Innerhalb von vierundzwanzig Stunden kann ein Geldwert vernichtet werden, der von 172 der 187 Staaten weltweit in einem Jahr nicht erwirtschaftet wird.

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