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Müssen wir uns alles gefallen lassen? – Deutschland und die nicht verschwinden wollenden Schatten der Vergangenheit

Bild: Q.pictures  / pixelio.de
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(AK) Berlin steht unter Beobachtung, unter kritischer Beobachtung, und zwar den deutschen Nachbarländern. Der Stolz aufs eigene Land passt nicht in die Weltanschauung von Europa, wie es scheint. Eventuell wäre es allerdings mal angebracht, dem eigenen Land die größte Aufmerksamkeit zu schenken und die landeseigenen Interessen zu stärken. Das deutsche Volk hat mit herausragender Mehrheit erklärt, unter keinen Umständen „führen“ zu wollen. Als Grund ist wohl die geschichtliche geprägte Assoziation mit diesem Wort zu benennen. Aus Genügsamkeit, eventuell auch aus reiner Faulheit und mit Sicherheit auch, weil es die Deutschen nie gelernt haben. Der Erste Weltkrieg wurde verloren und aufgrund des Zweiten Weltkrieges ist der Begriff „Führung“ nur noch dreckig und negativ besetzt. Es scheint nicht nur so, sondern es ist auch so, dass dieses reuige Denken und die damit verbundene genügsame Zurückhaltung längst nicht mehr notwendig sind. Allerdings birgt die anhaltende Euro-Krise kaum den besten Grund, um mit der Führung zu beginnen. Als Ursache hierfür ist nicht die mögliche Verschandelung Angela Merkels mit Hitlerbart zu benennen, sondern eher das die allgemeine Situation das nicht hergibt.

Eindeutig ist, Deutschland und seine Bürger befinden sich in einer Falle, denn jede Art zu agieren wird die Falsche sein. Agiert Deutschland zum Beispiel im klassischen Sinne eines Gläubigers, der nämlich seine gewährten Hilfen vom Schuldner zurückbezahlt bekommen möchte, kann sich das deutsche Oberhaupt auf einen rasenden Mob gefasst machen, der sie mit Ausdrücken wie Nazisse versieht und ihr Pläne eines deutschen Diktats nachsagen wird. Hier fallen einem spontan die Titelfotos der portugiesischen und griechischen Zeitungen ein.

Unsere Nachbarn und ihr Nationalstolz

Schulden so schnell wie möglich zu begleichen, ist neuerdings, ein nicht zu vertretender kultureller Eingriff in die südeuropäischen Staaten. Diese besitzen doch ein differenziertes Arbeitsethos wie das unseres. Auf jeden Fall, denn Beistand führt oft zur Entmündigung. Hilft es, da nicht vielleicht zweimal zu überlegen ob man Geld vergibt? Nebenbei: Hierzulande sind die Reaktionen auf Beschimpfungen der Kanzlerin, etwaige Vergleiche zum Naziregime und die damit einhergehende moralische Unterdrucksetzung eher relaxt. Einige empfinden das als überlegen und über den Dingen stehend aber die deutschen Nachbarn mit ihrem Nationalstolz sehen dies überwiegend als Schwäche. Übernimmt das deutsche Oberhaupt allerdings die Aufgabe des Schatzmeisters, was zurzeit der Fall ist, agiert sie nicht im Sinne des Verfassungsauftrags und setzt dabei ihren enormen Rückhalt der Bevölkerung aufs Spiel. Des Weiteren lässt sie damit eine Quelle versieden, die noch nicht ausgeschöpft ist.

Leidet Deutschland unter Masochismus?

Unter Vernunft versteht man eigentlich etwas anderes. Das vereinigte Europa und die dazugehörigen Mitgliedsstaaten sind längst wieder zum Tagesgeschäft, und zwar zum eigenen, übergegangen. Die Bundesrepublik Deutschland hingegen kümmert sich derweil fleißig weiter um das angeknackste Europa und dessen Zielsetzungen. Das bundeseigene Haushaltsrecht bleibt weiterhin stiefmütterlich umsorgt. Der Appell und laute Ruf nach noch mehr Einigkeit in Europa scheint Deutschland allein zu hören, denn der Weg aus der Krise wird anscheinend nur von Deutschland gegangen. In erster Linie stehen da die Bündnisgenossen einem Souveränitätsverzicht im Weg. Augenscheinlich gibt es einen Anteil der deutschen Öffentlichkeit, der annimmt, dass ein Verlust der Souveränität der Preis für die deutsche Vergangenheit und damit auch zu bezahlen sei. Nennen kann man dies auch liebevoll deutscher Masochismus, allerdings erfolgt keine Entlohnung dafür. Einzig die deutsche Bevölkerung hat noch eine rührselige Begeisterung an diesem Europa. Aus dem geschichtlichen Aspekt ist dies durchaus noch zu verstehen: Deutschland sah die Einrichtung „Europa“ nie als ein Werkzeug für Machtspielchen an, dieses war eher ein französisches Begehren mittels französischer Agenda. Der Begriff Beteiligung wurde hier gern mit dem Wort Fesselung gleich gesetzt. Akzeptanz ist das, was die alte Bundesrepublik sich von der Ankettung versprach.

England und ihr eindreschen auf die Deutschen

Auf einmal geht ein erstauntes Raunen durch die geschlossene deutsche Bevölkerung, denn sie haben erkannt, egal was sie tun, sie werden einfach nicht geliebt. Eventuell wäre es auch mal an der Zeit, das Verlangen danach aufzugeben. Respekt ist auch nicht zu verachten. Denn diesen hat sich Deutschland schon lang verschafft. Auch im Vereinten englischen Königreich, die sich das sogenannte „Kraut-Bashing“ jahrelang zum Volkssport gemacht hatten, hat der Deutsche an Ansehen gewonnen. Aufgrund von Erfolg und auch nur so lang, wie dieser anhält. England sieht zudem auch keinerlei Gründe für eine geschichtliche Zurückhaltung: Die Bundesrepublik ist ein Vorbild im Verhalten mit der eigenen Vergangenheit und der nicht enden wollenden Schuld. Nach vorne schauen! Aber auch hier finden sich wieder Tücken für das Leitschiff. Die Macht, die Deutschland in Europa zuteilwird, liegt einzig an ihrer Wirtschaftsstärke. Wer zur Führung aufruft, erwartet hier von der Bundeskanzlerin allerdings in den meisten Fällen nur, ein Ende ihrer Sparmentalität.

Deutschland bitte einmal zur Kasse

Bild: Gabi Eder  / pixelio.de
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Über Bord mit den Sparmaßnahmen und den Geldbeutel bitte einmal weit öffnen. Beherzt und mit voller Offenheit zum Risiko soll Deutschland Geld ausgeben. Mehrere Punkte stehen dazu aber im Defizit wie beispielsweise der ökonomische Blick in die Zukunft, das Mandat unserer Kanzlerin und das Handeln im Sinne des eigenen Volkes um Schaden zu verhüten. Gegenwärtig ist schon deutlich zu erkennen, dass der gemeine Steuerzahler einer enormen Enteignung unterzogen wurde. Anzumerken ist hier, dass es dabei erst um den Beginn handelt um dessen, was noch kommen wird. Die wohl elementarste Frage ist wohl diese hier: Wieso wird immer nur der Ruf nach Deutschland laut, wenn in Europa eine Führung gesucht wird? Was ist mit den anderen Mitgliedsstaaten? England Frankreich wo seit ihr? Europa und sein Euro bleiben eher aufgrund des wirtschaftlichen und politischen Nichtskönnens der elitären Mitgliedsstaaten auf der Strecke. Ein mächtiger Währungsverbund und das Erstellen von Rahmenbedingungen scheinen eine unlösbare Aufgabe darzustellen. Hier liegt allerdings der Brandherd des Euros: War die Einführung der einheitlichen Währung doch eher verträumter Natur, fehlte das rationale Denken in den Bereichen Politik und Ökonomie.

Großes mächtiges Deutschland in Ketten

Hinter uns liegen 2 Weltkriege, 45 Jahre geteiltes Land und eine Souveränität mit Einschränkungen, das Resultat, ein mächtiges Land in Ketten. Unsere Bundeskanzlerin Frau Merkel, die mit großen Zielen, Visionen und Plänen „durchstarten“ wollte, wie ihre zahlreichen Vorgänger ebenfalls, erkannte in rasantem Tempo, das Führung in unserem Land nicht so einfach umzusetzen ist. Entscheidungen sollen von Deutschland nicht getroffen, sondern es soll verhandelt werden. Kompromisse und Mittelwege finden, hier liegen die Stärken unseres Regierungsoberhauptes. Anvisierte und berechnete Ziele liegen inzwischen am Wegesrand. Wähler die Links und ökologisch orientiert sind, freuen sich wohl über die Mammut-Ziele wie Energiewende und Klimaschutz allerdings, geht es in erster Linie um die wichtigeren Punkte unterhalb des großen Deckmantels Superman zu spielen. Deutschland hat nicht nur in Europa, sondern auch international eine Rolle, aber welche scheint nicht ganz einfach auszumachen zu sein. Führungsqualitäten könnten aber auch diese sein: Europa aus einem anderen Blickwinkel, ein Europa ohne die Gemeinschaftswährung. Eventuell hat ja jemand schon angefangen, in diese Richtung zu denken. Vielleicht kommt es bei der Bundestagswahl am 22. September ja zu einem Showdown.

Über Andreas Kappler

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