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„Made in Germany“ bald auf dem Abstellgleis? – EU reguliert Gütesiegel

Made in Germany
Bild: ferkelraggae – Fotolia

(AK) Zunächst klingt die Nachricht gut: Durch verbindliche Vorschriften will die EU verhindern, dass mit dem weltweit anerkannten Label „Made in Germany“ Schindluder getrieben wird. Die deutsche Exportwirtschaft hält von solchen Richtlinien gar nichts und protestiert heftig. Denn die Unternehmen befürchten, damit würde das deutsche Gütesiegel quasi abgeschafft. Wie viel steht für Deutschlands Exportgüter wirklich auf dem Spiel?

Hintergrund zur Herkunftsbezeichnung „Made in Germany“

Im 19. Jahrhundert ärgerten sich die Briten über den Erfolg deutscher Waren in ihrem Land. Dabei handelte es sich überwiegend um billige Produktkopien, mit denen deutsche Hersteller Kasse machten. Die zu jener Zeit führende Industriemacht schlug zurück: Im Jahr 1887 kam es zum „Merchandise Mark Act“, einem Gesetz, das eine Herkunftsbezeichnung vorschrieb. In Großbritannien hoffte man, die deutsche Konkurrenz auszuschalten, indem diese ihre Waren mit „Made in Germany“ zu kennzeichnen hatte.

Diese Rechnung ging bekanntlich nicht auf, sondern „Made in Germany“ avancierte zu einem Gütesiegel. 126 Jahre lang besaß es Weltgeltung. Nun steckt die EU-Kommission ihre Finger dazwischen und thematisiert die Problematik mit den Herkunftsbezeichnungen. Weil es dazu immer noch keine verbindlichen Vorschriften gebe, werde Missbrauch im Binnenmarkt provoziert, behaupten die Kommissare. Die Einführung von Richtlinien zur Produktsicherheit sollen die Unternehmen vor unlauterem Wettbewerb schützen und die Bedeutung des Labels „Made in Germany“ stärken.

Einwände werden laut

Offiziell reicht für das Label „Made in Germany“ der Nachweis aus, dass das Design hierzulande entwickelt wurde und die Qualitätskontrolle, die Haftung sowie die Endmontage innerhalb der deutschen Grenzen liegen. Dies bestätigt die DGQ (Deutsche Gesellschaft für Qualität). DGQ-Präsident Jürgen Farwig soll den Verdacht geäußert haben, mehreren EU-Ländern sei daran gelegen, ihre Waren aus heimischer Produktion zu schützen.

Jürgen Farwig, der früher BASF-Manager war, schätzt den jährlichen wirtschaftlichen Wert von „Made in Germany“ auf einen dreistelligen Milliardenbetrag. Dabei nimmt er Bezug auf das Gütesiegel „Made in Switzerland“, für das ausländische Kunden zu 20 Prozent höhere Preise zahlen. Der DGQ-Präsident rechnet vor, dass ein Preisaufschlag von 10 Prozent auf Waren mit „Made in Germany“ der deutschen Wirtschaft 130 Milliarden einbringt – ausgehend von einem Exportaufkommen in Höhe von 1,3 Billionen Euro.

Wie gut das Image von „Made in Germany“ im eigenen Land ist, belegt eine Umfrage aus dem September 2012. Danach gaben sechs von zehn Verbrauchern an, sie würden Produkten und Dienstleistungen aus dem eigenen Lande bewusst den Vorzug geben. Über 50 Prozent nehmen für „Made in Germany“ höhere Preise in Kauf.

Ist „Made in Germany“ noch zu retten?

Die Brüsseler Kommissare liegen falsch, sagen einvernehmlich deutsche Wirtschaftsvertreter der Industrie- und Handelskammern, des VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau) und DIHK (Deutscher Industrie- und Handelskammertag). Sie schlagen Alarm, weil nach ihrer Überzeugung die Herkunftsbezeichnung in Brüssel im Grunde komplett abgeschafft werden soll. Es sei ein Ding der Unmöglichkeit, die geforderten Nachweise zu liefern.

Stimmt das? Ja – wenn als Maßstab für die Herkunftsangabe gelten soll, wo der größte wertsteigernde Teil der Warenherstellung stattfindet. Am Beispiel eines normalen Konsumguts wie einem Kühlschrank ergeben sich Fragen wie: Wo befindet sich die Raffinerie für das Erdöl in der Kunststoffverkleidung? Wer stellte den Dämmschaum her? In welchem Land wurde der Metallgriff gewalzt, und woher stammte das Metall? Muss die Wertschöpfung vor der Endmontage des Kühlschranks festgestellt werden?

Fragen über Fragen! Die Wirtschaft hofft auf ein Votum der Politik, damit „Made in Germany“ nicht untergeht. Das deutsche Recht schützt unser Gütesiegel zwar – aber wie lange noch?

Über Andreas Kappler

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