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HARTZ IV – GEWOLLTE ARMUT?

Bild: Peter Feldnick  / pixelio.de
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Hartz 4 hat schon seit längerem eine ganz eigene Laufbahn eingeschlagen und sich als Schimpfwort, als gesellschaftlicher Status und als Merkmal zum Menschen beurteilen etabliert. Wer „harzen“ muss, kann in dieser Gesellschaft kaum Fuß fassen und ist am unteren Ende der Fahnenstange angekommen. Kaum gib es wirkliche Auswege aus der menschenunwürdigen Situation und finanziellen Lage. Fakt ist, dass Kinder von Hartz 4 Beziehern schon in der Schuhe eingestuft werden. In verschiedenen Reportagen kommt heraus, dass Lehrer und Schulleiter Akten anlegen und die Schüler in mittellose oder aus gutem Hause stammende Kategorien einteilen. Hier kann tatsächlich nur von Nummer im System, nicht aber von Humanität und Menschenwürde gesprochen werden. Wer für seinen Lebensunterhalt Hartz 4 beantragen muss, gibt die Menschenwürde direkt am Eingang der Arge ab und tauscht sie gegen einen Mindestsatz an Unterstützung, von dem er nicht einmal den Lebensunterhalt bestreiten, geschweige denn ein menschenwürdiges Leben führen kann. Durch das Zusammenfügen von Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe mit der früher als letzte Möglichkeit in Betracht zu ziehenden Sozialhilfe, wurde keinesfalls eine Verbesserung, sondern eine Demütigung und totale Erniedrigung der Menschen begünstigt.

Was Sie über Hartz 4 wissen sollten

Bild: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt  / pixelio.de
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Seit der Neustrukturierung der Unterstützung zum Lebensunterhalt hat sich eine ganz neue Gesellschaftsschicht gebildet. Das Prekariat. Prekär ist die Situation wirklich und der Kreislauf, der beim Bezug von Hartz 4 einem Hamsterrad ähnelt, lässt die Menschenwürde auf einmal nicht mehr unangreifbar und als höchstes Gut betrachten. Mut machen Menschen wie Frau Inge Hannemann, welche als Angestellte der Arge mit kritischer Betrachtung das Hartz-Destaster beschreibt und der breiten Bevölkerung einen Einblick n die Arbeits- und Denkweise der Institution Arge gibt. Natürlich musst die Mitarbeiterin ihren Posten bei der Arge verlassen und wurde sofort nach ihrer kritischen öffentlichen Meinungsäußerung suspendiert. Doch Frau Inge Hannemann lässt sich nicht einschüchtern und kämpft nicht nur um ihren Arbeitsplatz, sondern auch für mehr Menschenwürde und gegen den Hohn der Grundlage, auf welcher das menschenverachtende System beruht. Dass die Angestellte ihren Job verlor war absehbar. Trotzdem bewies und beweist sie heute noch Rückgrat und spricht sich offen in Talkrunden, sowie im Vorwort des Buches „Auf dem Weg in den Unrechtsstaat“ zu den Missständen des immer größer werdenden Prekariats aus. Der Hartz 4 Erfinder selbst hatte sein persönliches Streben nach Macht und Gier nicht unter Kontrolle, was ihn dazu verleitete, dieses nicht durchdachte und keinesfalls eine Verbesserung bringende Konzept überhaupt zu entwickeln. Dass es natürlich noch angenommen und umgesetzt wurde, war nicht nur für Betroffene, sondern auch für viele geradlinig denkende Menschen kaum nachvollziehbar. Wenn Sie bedenken, wie viele Menschen trotz Arbeit oder dem Bezug von Rente noch um eine Grundsicherung und Aufstockung ihres Lebensunterhalts bittstellen gehen müssen, werden Sie den wahren Sinn von Hartz 4 erkennen und feststellen, dass die gewollte Armut das einzige Ziel dieser Form der „Unterstützung“ ist. Allein der Name der sogenannten Grundsicherung zeigt sich schon als Hohn und hebt den Finger in Richtung derjenigen, die ohne einen Zuschuss der Arge ihre Miete und Lebenshaltungskosten nicht zahlen können. Geld auf Zuteilung – eine Verknappung der wirtschaftlichen Mittel und die Willkür der Gesetzgebung rund um Hartz 4 untermauern die Unwürdigkeit dieser Form der Zahlung und setzen die Menschenrechte außer Kraft.

Sanktionen erfordern blinden Gehorsam

Wer in die soziale Spirale geraten ist, wird sich früher oder später mit den zahlreichen Sanktionen abfinden müssen. Die ehemalige Mitarbeiterin der Arge Frau Inge Hannemann hat die Problematik klar dargestellt und sich kritisch gegenüber der Willkür geäußert, die der Angestellte hinter dem Schreibtisch der Arge anwendet, um den Empfänger der Leistung willenlos zu machen und ihn als Spielball zu benutzen. Betroffene fühlen sich in die Lebensart von Kleinkindern zurückversetzt und werden durch erzieherische Maßnahmen, den gerne angewandten Sanktionen nahezu erpresst. Wer sich nicht der Judikativen Handhabung der Arge unterwirft, muss mit Sanktionen und dem Entzug der Lebensgrundlage rechnen. Nur aus diesem Grund fügen sich so viele Menschen in ihr Schicksal und behalten ihre Meinung über eine ungerechte und unwürdige Behandlung für sich. Kürzungen und vollständige Sperrungen des Lebensunterhalt sind keine Seltenheit, sondern können den Hartz 4 Bezieher täglich einholen. Die Arge selbst arbeitet, wie Frau Frau Inge Hannemann in ihrem Vorwort zum oben genannten Buch schriftlich niedergelegt hat, auf Anordnung von oben ohne Moral und ohne den Gedanken an die Menschenwürde. Die Menschenwürde wird entmündigt und mit ihr der Empfänger der Leistungen, welcher sich in die Hände der Arge begeben und dort um eine Unterstützung bitten muss. Für viele Menschen ist es daher einfacher, gänzlich ohne staatliche Hilfe zu leben und aus eigener Kraft am Existenzminimum zu wirtschaften, dabei aber nicht ins Hamsterrad der Arge einzusteigen und sich der Willkür schlecht gelaunter und die Moral missachtender Angestellter zu begeben. Mitarbeiter denen die Moral und Menschenwürde nicht egal ist, werden vom Dienst suspendiert und haben selbst mit Sanktionen zu rechnen. Wer den Mund aufmacht und Rückgrat beweist, wird also ebenso entmündigt wie der eigentliche Bezieher von Hartz 4 Leistungen. Zu den gern und häufig angewandten Demonstrationen der Macht des Jobcenters gegenüber den Bittstellern gilt die Eingliederungsvereinbarung. Hier unterschreibt der Bittsteller ein Formular, welches praktisch den Verzicht auf sämtliche Rechte beinhaltet und ihn vor der Arge entmündigt. Wie weit sich die Spirale noch dreht und wann die Menschen endlich aufbegehren ist eine Frage, die sich auch außerhalb der Arge und Jobcenter immer häufiger stellt. Denn die Spirale beginnt nicht erst mit dem Betreten des Gebäudes der Arge, sondern zeigt sich schon in den zahlreichen unterbezahlten Jobs, Maßnahmen zur Arbeitsbeschaffung, sowie den niedrigen Renten und Löhnen die einer Aufstockung bedürfen. Die Menschen haben trotz Arbeit, oder nach einem langen Berufsleben gar nicht mehr die Wahl, sondern müssen, wollen sie ihre Lebenshaltungskosten tilgen können, nicht selten Hartz 4 beantragen und sich so einen Platz im Hamsterrad der Politik verschaffen.

Verhandlungen sind fehl am Platz

Egal welche Wünsche oder Bedürfnisse ein Antragsteller äußert, er hat keinen Willen zu zeigen und schon gar keine Ansprüche zu stellen. Wer Hartz 4 bezieht ist an dem Punkt, an dem er der Laune von Mitarbeitern der Arge, sowie deren übertriebenen und unsachgemäßen Ausführungen von Gesetzgebungen rund um den Leistungsbezug ausgesetzt ist. Frau Inge Hannemann hat diesen Missstand in ihrem Vorwort zum oben angeführten Buch klar und deutlich gemacht und einen Denkanstoß gegeben, der ihre persönliche Meinung und Einstellung zur Grundsicherung im Eintausch gegen die Menschenwürde aufzeigt. Unsagbar viele Bewerbungen schreiben, sich in Unternehmen vorstellen die gar keine Mitarbeiter suchen, sowie aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen eigentlich nicht geeignete Jobs annehmen, oder aber sich mit Löhnen weit unter Tarif und mit menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen abfinden sind nur einige Praktiken, welche die Arge von Hilfsbedürftigen verlangt und bei Zuwiderhandlung oder dem Wunsch nach Verhandlungen mit einer Sanktionierung reagiert. Menschen durch Sanktionen erziehen hat sich leider als wirkungsvolle Wunderwaffe erwiesen und wird somit häufig mit purer Willkür angewandt. Geht es an die Existenz und darum, dass eine nicht gezahlte Miete den Verlust der Wohnung bedeutet, eine offene Position beim Stromanbieter das Abstellen der Energie nach sich zieht und die Familie ernährt werden muss, anerkennen Menschen aus der Not heraus diese Paragrafen und fügen sich in eine System was menschenunwürdiger nicht sein kann. Nur keine Sanktionen begünstigen ist der Aspekt, unter dem ein Hilfsbedürftiger zur Arge geht und so nicht selten das Opfer von Schikanen wird. In einem Staat der nach außen hin als Rechtsstaat auftritt stellt sich Ihnen sicher die Frage, wie solche Praktiken überhaupt geduldet werden und durchgesetzt werden können. Durch die existenzielle Erpressbarkeit der Hartz 4 Bezieher kann aus humanitärer Sicht nicht von einer Hilfe zum Lebensunterhalt, sondern von einer Gefügigkeit durch finanzielle Erpressung gesprochen werden.

Gewollte Armut hält Menschen ruhig

Bild: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt  / pixelio.de
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Die Agenda 2010 war bisher das größte Protokoll zur Erpressung in der Geschichte der modernen Menschheit. Wenn Sie bedenken, wie wenig Arbeitsplätze zur Verfügung stehen und wie gering sich vor allem die Marktchancen für ältere Menschen oder Menschen mit niedrigem Bildungsstand gestalten fällt Ihnen auf, wie unwirklich das System Hartz 4 agiert und wie Menschen durch die Agenda 2010 bewusst und zielstrebig in die Armut getrieben wurden. Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde die Problematik lösen und ein System ablösen, welches menschenverachtender nicht sein könnte. Würde es mehr Mitarbeiter wie Frau Inge Hannemann geben, die aufbegehren und über die Missstände innerhalb der Arge öffentlich aufmerksam machen, wäre das Thema Hartz 4 sicherlich bald Geschichte. Da viele Mitarbeiter und Angestellte der Arge sich hinter ihrem Schreibtisch sicher fühlen und nicht darüber nachdenken, das auch sie auf der anderen Seite sitzen könnten, ist eine Besserung der Lebensumstände Hilfsbedürftiger nicht in Sicht. Bedenken Sie, dass ein gieriger und reicher Mann dieses System entwickelt und erschaffen hat, wird sich Ihnen die Willkür erschließen. Auch wenn in der Gesellschaft gerne von oben herab ein Blick auf Empfänger dieser Leistung geworfen wird sollte klar sein, das die wenigsten Menschen sich ihr Schicksal ausgesucht haben und durch eigenes Verschulden in die Spirale geraten sind. Nicht nur Menschen ohne Arbeit, sondern immer mehr Berufstätige müssen die Unterstützung annehmen und begeben sich so in den Kreislauf von Entwürdigung und Demütigung. Repressalien und Sanktionen bestimmen den Alltag, welcher für Betroffene kaum noch lebenswert ist und verschiedene soziale und psychische Erkrankungen, sowie eine gesellschaftliche Unsicherheit auf die Agenda treten lässt.

Über Andreas Kappler

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