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Facebook-Skandal: Der Daten-Klau und Vertrauensverlust

Dass Facebook die Daten seiner Nutzer und Nutzerinnen sammelt, war auch vor diesem Facebook-Skandal kein Geheimnis. Zudem wurde dem sozialen Netzwerk bereits vor dem März 2018 immer wieder vorgeworfen worden, dass Facebook mit dem Datenschutz einen eher lockeren Umgang pflegt. Worum es aber im aktuellen Facebook-Skandal geht, und wer die Beteiligten sind, haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Die App von Kogan

Seinen Ursprung hat der Daten-Klau in der Quiz-App „thisisyourdigitallife“ des britischen Wissenschaftlers Aleksandr Kogan. Der Dozent für Neurowissenschaften von der Universität Cambridge hat eine wissenschaftliche Studie mit der App auf Facebook gestartet. Im Rahmen dieser Umfrage unter den Facebook-Nutzern wurden verschiedene Persönlichkeitsmerkmale abgefragt. Um an der Studie teilzunehmen, musste man die App zu Facebook hinzufügen. Dadurch wurde Kogan gestattet, auf die Daten der Nutzer und Nutzerinnen zuzugreifen. Allerdings wurde die App so programmiert, dass nicht nur die Daten derjenigen abgegriffen werden konnten, die die App hinzugefügt haben, sondern auch von deren Facebook-Freunden, die ihre Zustimmung nicht gegeben haben.

Verkauf an Cambridge Analytica

Aleksandr Kogan verwendete die Daten aber nicht nur für wissenschaftliche Zwecke, sondern verkaufte sie an die Datenanalysefirma Cambridge Analytica. Mit diesem Verkauf verstieß Kogan gegen die Regeln von Facebook, da die Daten ohne das Wissen und die Zustimmung an Cambridge Analytica gegangen sind.

Dies allein ist aber nicht der entscheidende Punkt an dem Skandal, denn Cambridge Analytica gilt als umstrittenes Unternehmen. So sollen die Daten von Cambridge Analytica für den Wahlkampf von Donald Trump ausgewertet worden sein. Sie wurden also unerlaubt für den Wahlkampf von Trump verwendet. Und es wurde gezielt Werbung für Trump auf Facebook platziert. Für seine Dienste soll das Unternehmen sechs Millionen US-Dollar von der Republikanischen Partei bekommen haben. Cambridge Analytica bestreitet allerdings, dass die Daten für den Präsidentschaftswahlkampf von Donald Trump genutzt worden sind.

Das Unternehmen Cambridge Analytica wurde 2013 u.a. von Robert Mercer, Manager eines konsvervativen Hedgefonds, und Steve Bannon, dem späteren Wahlkampf-Manager von Donald Trump, gegründet.

Whistleblower Christopher Wylie

Aufgeflogen ist der Daten-Klau durch den Whitleblower Christopher Wylie, einem Mitbegründer von Cambridge Analytica. Weil Wylie nicht mehr Teil einer psychologischen Kriegsführung sein wollte, informierte er die großen US-amerikanischen Medien über den Vorgang und über den Verkaufspreis von mehr als einer Million US-Dollar für die Daten. Mit diesen Informationen ausgestattet, konnten die New York Times und The Guardian im März 2018 über den Vorfall berichten. Konkret berichteten die beiden Medien darüber, dass das Wahlkampf-Team von Donald Trump Cambridge Analytica den Auftrag erteilt hatte, Facebook-Nutzerdaten zu sammeln. Die gesammelten Daten sollten dazu verwendet werden, das Wahlverhalten der Nutzer und Nutzerinnen zu beeinflussen und ihre Wahlentscheidung zu prognostizieren.

Wer ist betroffen?

Vom Daten-Klau sind nach Angaben von Facebook weltweit 87 Millionen Facebook-Nutzer und -Nutzerinnen betroffen. Der Großteil der Daten, 70,6 Millionen, stammt von US-amerikanischen Facebook-Profilen. Auf den Philippinen sind rund 1,2 Millionen und in Großbritannien knapp 1,1 Millionen Profile betroffen. In Deutschland soll es 310.000 Opfer geben. Wie dieser Daten-Klau passieren konnte, ist derzeit noch ungeklärt und Gegenstand verschiedener Ermittlungen.

Folgen des Skandals

Mitte März wurde Alexander Nix, der Chef von Cambridge Analytica, bis zur Aufklärung des Skandals suspendiert. Aleksandr Kogan bleibt Dozent in Cambridge. Zudem wurden von den zuständigen Behörden in Großbritannien und den USA Ermittlungen wegen Datenmissbrauchs eingeleitet. Gegen die Rücktrittsforderung von Mark Zuckerberg von einem großen Facebook-Investor, wehrte sich der Facebook-Chef mit der Behauptung, dass er weiterhin der Richtige für den Job sei. Mark Zuckerberg hält knapp 60 Prozent der Facebook-Aktien. Als Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer kann Zuckerberg nicht gekündigt werden. Am 11. April 2018 musste der Facebook-Chef und Gründer Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress aussagen, was jedoch zu keinen weiteren aufklärenden Informationen führte.

Reaktion von Facebook

Vor seiner Aussage vor dem US-Kongress entschuldigte sich Zuckerberg nach tagelangem Schweigen öffentlich bei den Facebook-Usern. So erklärte er in einem Interview im US-amerikanischen Fernsehen, dass der Datenmissbrauch ein grober Vertrauensbruch sei. Zudem kündigte Mark Zuckerberg an, dass das Datenleck behoben werden soll. Dabei betonte er, dass man dafür aber einige Jahre brauchen werde. Gleichzeitig wies er „seine“ Nutzer zu Recht: Man müsse mit einem Datenklau rechnen, wenn man sein Profil schlecht schützt, so Zuckerberg.

Reaktionen der EU

Mitte April 2018 hat sich die EU-Justizkommissarin Vera Jourova in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung zum Facebook-Skandal geäußert. So bezeichnete die Kommissarin die Äußerungen von Zuckerberg über den Skandal als unzureichend, denn er habe sich nicht über den Schaden des Skandals für die Gesellschaft und die Demokratie geäußert. Weiter sprach sich Jourova dafür aus, dass die Macht der großen Internet-Konzerne begrenzt werden müsse, ohne dass die Internet-Sphäre beeinträchtig werde. Das Europäische Parlament hat angekündigt, dass es Mark Zuckerberg zum Skandal befragen möchte. Eine Einladung an den Facebook-Chef sei bereits verschickt worden. Und in einem Telefonat zwischen Vera Jourava und Sheryl Sandberg, CO-Geschäftsführerin von Facebook, letzter Woche, hat sich Sandberg für die Annahme der Einladung von Mark Zuckerberg ausgesprochen, so Medienberichte.

Reaktionen der User

Der Vertrauensverlust der User ist groß. Mittlerweile gibt es einige Dutzend Klagen gegen Facebook. Sie stammen von Privatpersonen, Investment-Gruppen und Bürgerrechtsorganisationen. Und was macht der einzelne User? In einer aktuellen Umfrage von Infratest Dimap für die ARD konnte keine gravierenden Änderungen beim Verhalten von erwachsenen Facebook-Nutzern festgestellt werden. Zwar misstrauen die User der Datenpolitik von Facebook, aber nur zwei Prozent haben ihr Profil wirklich gelöscht, so die Ergebnisse der Studie.

Was bleibt für den User?

Der einzelne User kann zwischen zwei Möglichkeiten wählen. Entweder er löscht sein Profil vollständig auf Facebook, oder vertraut dem Riesen und hofft, dass Facebook zukünftig die Daten seiner User besser schützt. Aber auch wer nicht oder nicht mehr auf Facebook ist, muss damit rechnen, dass es Daten über ihn auf Facebook gibt. Denn Facebook greift auch auf die Telefonbücher von Freunden oder Kollegen, die auf Facebook sind, zu.

Facebook-Datenskandal: Alles nur heiße Luft?

Bildernachweis:
Titelbild – geralt / Pixabay.com (CC0 Creative Commons)

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