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EU-Kommissar warnt vor deutschlandweiten Strom Blackout

guenther-oettinger(AK)Die Gefahr eines flächendeckenden Stromausfalls steigt in Deutschland weiterhin an, warnt Günther Oettinger, EU-Kommissar. Er sieht die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Energiewirtschaft im europäischen Vergleich gefährdet, besonders durch die Erhöhung der EEG-Umlage, die ab Januar 2014 auf 6,2 Cent pro Kilowattstunde steigen soll.

Ohne Strom funktioniert nichts mehr

Der Fernseher beendet genauso plötzlich sein Programm, wie die Lampen verglimmen: Alles ist dunkel und die hektische Suche nach Kerzen und Taschenlampen beginnt. Zwar bleibt ein Stromausfall in einem privaten Haushalt meist folgenlos, doch in einer Metropolregion sieht das anders aus, hier bedeutet ein Stromausfall eine echte Katastrophe. Denn das gesamte öffentliche Leben hängt davon ab, dass der Strom zuverlässig geliefert wird. Ohne Notstromversorgung brechen inzwischen lebenswichtige Systeme zusammen. Dazu gehört nicht nur die Telekommunikation, sondern auch die Trinkwasserversorgung, elektrische Anlagen zum Öffnen und Schließen von Türen, Fahrstühle, Verkehrssignalanlagen, medizinische Versorgung in Pflegeheimen und nicht zuletzt die industrielle Produktion. In den meisten Tankstellen geht ebenfalls ohne Strom nichts mehr, denn ohne diesen fördern die Pumpen keinen Treibstoff aus den Tanks.

Blackout wird immer wahrscheinlicher

Ein totaler Stromausfall kann in einzelnen Gebieten von Deutschland jederzeit auftreten – so wie in den vergangenen Jahren bereits mehrfach geschehen, so wie im Münsterland sogar für mehrere Tage. Selbst ein überregionaler Blackout ist möglich, wenn mehrere Effekte zusammen auftreten und sich damit verstärken. Ist das Stromnetz durch den normalen Verbrauch oder die einfache Hindurchleitung von Strom bereits an seiner Belastungsgrenze angekommen, dann ergeben sich schnell weitere Probleme, sobald eine technische Störung, ein Gewittereinschlag oder Sabotage durch Hacking hinzukommen. Selbst menschliche Fehler können zu einem totalen Stromausfall führen, wie 2006, als eine Höchstspannungsleitung über die Ems abgeschaltet werden musste und es daraufhin zu Zusammenbrüchen des Netzes rundherum aufgrund von Überlastung kam.

Stromnetz ist ein sensibles und komplexes System

Das Stromnetz in Deutschland und in ganz Europa ist ein komplexes System, welches miteinander vernetzt und aus diesem Grund auch störanfällig ist. Das Prozessmanagement der Stromversorgung stützt sich auf umfangreiche IT-Systeme und ist demzufolge auch gegenüber Hacking sensibel. Ein weiterer Risikofaktor ist der Mix, denn der Strom wird aus unterschiedlichen Quellen in das Netz gespeist. Noch gibt es nuklear erzeugten Strom, außerdem solchen von fossilen Energieträgern, wie Kohle und Gas und zunehmend auch Strom aus regenerativen Quellen. Für diese unterschiedlichen Energieträger braucht es ein optimal abgestimmtes Zusammenspiel, damit auch immer genügend Strom erzeugt wird und dort ankommt, wo der Strom jeweils gebraucht wird. Außerdem gibt es auch in Deutschland, wie in ganz Mitteleuropa, zunehmend extreme Wetterlagen, welche das Stromnetz erheblich belasten, wie beim Bruch der Höchstspannungsleitungen 2005 im Münsterland, welche einen mehrtägigen Stromausfall zur Folge hatte. Immerhin waren fast 250.000 Menschen in dieser Region betroffen und saßen für Tage ohne Strom da. Auch die Liberalisierung der Strommärkte hat dazu geführt, dass die Netze bis an ihre Sicherheitsgrenzen belastet werden.

Foto: By Jacques Grießmayer CC-BY-3.0 via Wikimedia Commons

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Ein Kommentar

  1. Man verbreite Horrorszenarien über Blackouts und streue Informationen über die Erhöhung des EEG-Zuschlags ein und schon verknüpft der unbedarfte Leser dass mit Erneuerbaren Energien Blackouts wahrscheinlich sind.
    Es ist leider andersherum: Blackouts größeren Ausmaßes gab es überall dort, wo Großkraftwerke Alleinversorger sind, die Verteilersysteme nicht redundant aufgebaut sind und diese oft schon am Rande ihrer Leistungsfähigkeit arbeiten.
    Unser dominant Atom-KW versorgter Nachbar Frankreich muss aus Deutschland elektrische Energie aus erneuerbaren Quellen zukaufen, weil viele AKWs nur Teillast fahren können, da sowohl im Winter wie Sommer ihnen das Kühlwasser fehlt, was eine eindeutige Folge des Klimawandels ist. Denn die bisherigen Lieferanten, die Gletscher in den Alpen sind bereits weitgehend weggeschmolzen.
    Die hiesigen Stromnetz-Betreiber haben bewusst den rechtzeitigen Ausbau der Netze nicht nur verschlafen sondern hinausgezögert um damit die Politik und das Volk in eine scheinbar nur in eine Richtung mögliche Alternative zu drängen: Der Rückwende aus der Energiewende!
    Das werden sie aber nicht schaffen, weil es genug Ideen gibt, die nicht nur wesentlich kostengünstiger sind, sondern auch viel schneller realisierbar sind.
    Der Schlüssel hierzu sind die Mittelspannungsnetze, die sowohl die Klein- und mittelgroßen EE-Einspeiser aufnehmen können, sondern auch zu reduntanten Netzen verschaltet werden können, da ihre Leitungsausläufer nur jeweils wenige Kilometer voneinander entfernt sind. Intelligente Schaltanlagen würden die Stränge je nach Bedarf mit einander verknüpfen oder auch lösen. Die jetzigen Hochspannungstrassen die bisher die Energie von den großen Krftwerken angeliefert haben würden zu Gleichspannungs-Höchstspannungs-Energie-Autobahnen umfunktioniert. Ihre zukünftige Aufgabe ist es einen Energie-Ausgleich zwischen Nord und Süd sowie West und Ost zu schaffen. Echter Überschuss wird an die Nachbarstaaten abgegeben.
    Großflächige Blackouts sind damit nicht mehr wahrscheinlich, die gönnen wir den Altvorderen zentralistisch denkenden Organisatoren.

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