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Die Macht der Banken: Geldschöpfung – Werte aus dem Nichts schaffen

Bildnachweis Maklay62 / CC0 Public Domain-Pixabay.com

(AK) In unserer Kapitalgesellschaft ist eines der wichtigsten Dinge in jedem Leben das Geld. Jeder macht sich, ob mehr oder weniger, Gedanken über das Geld. Denn unser Leben ist stark vom Geld abhängig. Das Geld entscheidet, ob wir viel arbeiten, oder wenig, ob wir uns im Geschäftsleben zurückstellen und uns herumkommandieren lassen, obwohl wir eigentlich viel lieber zuhause sitzen und nichts tun würden. Geld entscheidet über Bildung, Ehe, Familie, Zukunft.

Trotz dieser extremen Abhängigkeit wissen wir doch so wenig über das Geld. Wer weiß denn schon, wo das Geld eigentlich herkommt, wie viel Geld es überhaupt auf der Welt gibt und wer das Geld kontrolliert, ja ob es überhaupt kontrolliert wird. Wir müssen diese Dinge auch nicht wissen, weil es uns nicht wirklich betrifft. Was ändert es, dass wir wissen, wo das Geld herkommt, wenn wir trotzdem keines haben. Wir haben meist ein geringes Interesse an der Herkunft und Beschaffenheit des Geldes, weil es nichts daran ändert, wie wir unser Geld beschaffen, wie viel wir brauchen, ob es uns an Geld mangelt oder ob wir im Überfluss leben.

Dennoch ist es wichtig zu verstehen, was das Geld überhaupt ist, und wo es herkommt. Denn die Antwort auf diese Fragen ist vielleicht schockierender, als man es sich vorstellen würde.

Die Geschichte des Geldes

Zum besseren Verständnis tauchen wir in die Tiefen der Geschichte ein. Früher, bevor das Geld die Macht übernahm, war das Gold die gängige Währung. Das Gold verlor eigentlich nie an Wert, und wenn, dann nur geringfügig. Doch schon sehr bald entwickelten die Völker noch zu Zeiten des Goldhandels Geldstücke und -scheine, die einen bestimmten Goldwert angaben und somit als eine Art Zertifikat dienten. Dieser Geldschein konnte dann auf einer Bank deponiert werden, die eine bestimmte Menge an Gold zur Verfügung hatte. Die Bank musste jederzeit bereit sein, das Geld auszuzahlen, bzw. das Gold, sobald der Anleger seinen Anspruch auf seine Menge an Gold wahrnahm.

Heutzutage verlaufen die Dinge sehr anders. Wir handeln nicht mehr mit Gold, denn Gold ist uns zu einem fernen Wertgegenstand geworden. Wir deponieren unser Geld auf der Bank und fühlen uns damit bedient. Falls uns Gold interessiert, können wir es jederzeit mit unserem Geld erwerben.

Das Buchgeld

Dennoch sehen wir an den geschichtlichen Zusammenhängen, Daten und Fakten, dass die Tradition des Buchgeldes schon sehr alt ist. Das Buchgeld ist im Grunde das, was unsere Kapitalgesellschaft überhaupt zusammenhält und der Gegenspieler zum realen, festen Bargeld, welches wir in Form von Scheinen und Münzen kennen. Das Buchgeld ist eigentlich kein wirkliches Geld in dem Sinne, es stellt nur einen Anspruch auf Geld dar, welches auf das Bankkonto überwiesen wird. Was hieraus entsteht, ist der bargeldlose Zahlungsverkehr. Tatsächlich ist das einzig gesetzlich anerkannte Zahlungsmittel das Bargeld. Das Buchgeld ist im Falle einer beauftragten Überweisung ein Zahlungsversprechen der Bank an den Empfänger. Die Zahl, die auf unseren Bankkonten steht, ist also kein wirkliches Geld, sondern nur das „Zertifikat“. Dies bedeutet, dass das Buchgeld gesetzlich nicht angenommen werden muss, auch, wenn es in den meisten Fällen in der Wirtschaft akzeptiert ist.

Was sind Kredite?

Was bedeutet das also, dass das Buchgeld eigentlich kein reales Geld ist? Der Unterschied zwischen Banken und Einzelpersonen oder Unternehmen ist folgender: will ich als Individuum jemandem Geld leihen, muss ich dieses Geld besitzen, ich kann dem anderen also nur so viel leihen, wie ich überhaupt habe. Die Bank muss für einen Geldverleih kein Geld zur Verfügung haben. Sie verleiht kein Geld im realen Sinne, sondern einen Kredit. Durch diesen neuen Kredit wird automatisch neues Geld „kreiert“ und dementsprechend in Umlauf gebracht. Und je mehr Kredite aufgenommen werden, umso mehr Geld gerät in Umlauf, je weniger Kredite vergeben werden, desto weniger Geld gibt es. Das Geld wird somit von den Banken völlig neu erschaffen. Das heißt auch, dass die Banken theoretisch endlos viel Geld verleihen und endlos viel Geld erschaffen können. Dadurch bestimmen sie über den Wert einer Währung und das Wohl einer ganzen Nation.
Allerdings stellt sich natürlich die Frage, wozu die Banken, wenn sie in der Lage sind, ohne Ende Geld zu erschaffen, überhaupt Zinsen nehmen, warum manche Banken pleitegehen und woher die Geldnoten kommen.

Kreditbegleichung und Zinsen

Das Problem ist relativ komplex. Denn Bargeld kann nur in Verbindung mit dem Kontoguthaben verlangt werden, und das Buchgeld existiert in der Form nur als imaginäres Kontoguthaben. Es kann, auf Aufforderung des Anlegers hin, eine Barauszahlung verlangt werden. Wenn wir nun zurück in der Geschichte wandern, kann man wieder das Beispiel des Goldhandels aufgreifen: Die Geldscheine sind nur die Zertifikate für den Besitz einer bestimmten Mende an Gold. Werden diese Geldscheine, als Zertifikate, in steigendem Maß angenommen, kann die Bank den Wert der Noten erhöhen. Nun ist es aber so, dass die Bank niemals die Menge an Gold vorrätig hat, wie sie Geldscheine austeilt. Theoretisch wäre es also niemals möglich, dass alle Anleger gleichzeitig ihr Geld in physischer Form verlangen, da das „Zertifikat“ der Banken nicht eingelöst werden kann. Da die Banken jedoch davon ausgehen, dass eine solche Situation sehr unwahrscheinlich ist, ist es für die Banken möglich, mehr Geld zur Verfügung zu stellen, als eigentlich überhaupt vorhanden ist. Deswegen ist ein Volksvertrauen in die Banken unabdingbar, da so mehr „Zertifikate“ verlangt werden und somit auch eine erhöhte Menge an Geld in Umlauf gebracht wird. Das bedeutet, dass die Zahl der Gutschriften sich von den realen Werten entfernt – und unkontrollierbar wird.

Der Geldschaffungsprozess der Bank (Geldschöpfung) verläuft also im Kern folgendermaßen: durch Kreditvergaben erschafft die Bank Geld, welches bei der Kreditbegleichung neutralisiert wird. Bei der Begleichung entsteht also kein Geld. Das einzige, was die Bank wirklich bekommt, sind nur die Zinsen, da das geschaffene Geld nicht wirklich in dem Sinne existiert, wenn die Summe beglichen ist. So abstrakt das auch klingen mag, dieses System bestimmt weitgehend unser Leben mit. Problematisch wird es jedoch, wenn ein Kredit nicht zurückgezahlt werden kann, denn dann muss die Bank für die Kosten aufkommen. Es führt also zu einem Verlust der Bank. Da das einzige, was die Bank tatsächlich „verdient“, die Zinsen sind, müssen im Falle von risikoreichen Krediten hohe Zinssätze verlangt werden. Dies erklärt auch die dringende Notwendigkeit der Banken, an kreditwürdige Anleger möglichst hohe Kredite zu vergeben. Über die moralische Fragwürdigkeit macht sich allerdings niemand Gedanken.

Einschränkungen in der Geldschöpfung

Allerdings haben die Banken kein uneingeschränktes Recht, Geld neu zu schaffen. Von der Zentral- oder Notenbank werden Mindestreserven vorgeschrieben. Mindestreserven sind die minimalen Bankguthaben bzw. -einlagen der Geschäftsbanken, die diese bei der Zentralbank haben müssen, also der minimale Prozentsatz an kreiertem Geld, der auf der Zentralbank hinterlegt wird.

Der Leitzinssatz ist ein von der EZB vorgegebener Zinssatz für die Banken (sowohl Anlage- als auch Kreditzins), den jede Bank abwandeln kann. Jede Bank kann sich zum vorgegebenen Leitzinssatz von der EZB Geld leihen. Dabei führt ein höherer Leitzinssatz zu niedrigeren Krediten, während ein niedriger Leitzinssatz logischer weise zu höheren Krediten führt. Sobald Kredite in Umlauf gebracht werden, muss jemand das Geld abnehmen, es braucht also würdige Kreditnehmer. Dabei bedeutet ein hoher Zinssatz eine geringere Zahl von Kreditnehmern, weswegen der Leitzinssatz einen wichtigen, direkten Einfluss auf das wirtschaftliche Geschehen und Wohl im Land hat, sobald Kredite in Umlauf gebracht werden.

Die Rolle der Zentralbank und der privaten Banken

Das Geld wird also im Wesentlichen von Zentralbanken kontrolliert und in Umlauf gebracht. Dabei sind durchschnittlich fünf Prozent des Geldes, das sich in Umlauf befindet, tatsächlich von der Notenbank gedruckt, also wirkliches Bargeld, die restlichen 95% stammen von Krediten der privaten Banken und werden als Buchgeld bezeichnet. Die privaten Banken erschaffen somit 95% des Geldes, das in Umlauf ist und haben deshalb im übertragenden Sinne 95% der finanziellen Macht.

Die Bedeutung der Banken-Macht

Das System hat sich bei uns als sehr erfolgreich präsentiert: nicht vorhandenes Geld in Umlauf zu setzen, das nur auf einer geringen Geldsumme basiert, welche als „Sicherheit“ bereitsteht, bedeutet eine hohe Flexibilität. Die Geldmenge kann, abhängig von der wirtschaftlichen Lage des Staates, vergrößert oder verkleinert werden.

Allerdings hat unser System auch einige kleine Haken. Die Probleme, die es mit sich bringt, sind meist hervorgerufen durch bestimmte Banken, welche durch Manipulation riesige Vermögen erlangen. Des Weiteren nehmen Bankenkrisen internationale Ausmaße an, was besonders bespielhaft am Zusammenbruch der Lehman Brothers präsentiert wurde. Problematisch ist auch die Gefahr eines zu großen Unterschiedes zwischen Geld- und Schuldensumme. Es wird nämlich immer mehr Geld geschuldet, als vorhanden ist, solange kein neues Geld auf den Markt kommt. Man kann nicht mehr Geld haben, als existiert, kann aber trotzdem mehr Schulden haben und somit niemals in der Lage sein, diese Schulden zu begleichen. Ein sehr einleuchtendes Beispiel bietet die wirtschaftliche Lage des US Dollars: weltweit kursieren rund drei Billionen US Dollar. Insgesamt gibt es jedoch mehr als 40 Billionen US Dollar Schulden. Wer diese Schulden bezahlen soll und kann, bleibt unbeantwortet.
Das System steht also, trotz ihrer sinnvollen Struktur, im Augenblick auf der Kippe. Die Banken sind die mit Abstand wichtigste Macht in unserem System und entscheiden somit über das Wohl des Landes. Ob man dies ändern soll oder nicht, wird sich in den nächsten Jahren vermutlich zeigen.

Über Andreas Kappler

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