Startseite / Allgemein / Die Lüge vom Kitaplatzanspruch!
Kindergartenplatzanspruch

Die Lüge vom Kitaplatzanspruch!

Wer nach seiner Elternzeit gerne früh wieder in den Beruf einsteigen möchte, der möchte seinen Nachwuchs tagsüber natürlich gut betreut wissen. Und auch wenn in Deutschland – zumindest theoretisch – das Recht auf einen Kindergartenplatz besteht, so stellt sich sie Suche nach dem passenden Tagesangebot doch oft als mühselig heraus. Denn im Gegensatz zu nahezu allen unseren europäischen Nachbarländern ist der Bedarf an Kindergartenplätzen in Deutschland, insbesondere in der Betreuung von unter dreijährigen Kindern, noch nicht ausreichend abgedeckt. Und dass, obwohl die berufliche Existenz sehr stark von einer adäquaten Versorgung der Kinder am Tag abhängt. Doch was kann man tun, wenn man doch dringend einen Kindergartenplatz braucht und sich einem zu knappen Angebot gegenübersieht?

1. Melden Sie Ihr Kind in mehreren Kindergärten an

Sich nur auf den in nächster Nähe liegenden Kindergarten zu verlassen, ist angesichts knapp kalkulierter Plätze leider nicht klug. Melden Sie Ihr Kind aus diesem Grunde in mehreren Kindertagesstätten in Ihrer Umgebung, und wenn nötig, auch darüber hinaus an. Gerade für einen Platz für ein unter dreijähriges Kind sollte man vier bis fünf Anmeldungen einreichen, um eine gute Chance zu haben, einen der begehrten Plätze zu erhalten. Viele Kindertagesstätten veranstalten einmal im Jahr einen Tag der offenen Tür. Kommen Sie hier ganz gezielt mit der Leitung der Kindertagesstätte ins Gespräch und machen Sie deutlich wie wichtig ihr Anliegen ist.

2. Schildern Sie Ihre persönliche Situation

Kindergartenplätze werden auch im Rahmen einer sozialen Rangfolge vergeben. So hat eine alleinerziehende Mutter, die in Ihren Beruf zurückkehren möchte, bessere Chancen, den Kindergartenplatz zu erhalten als eine Zwei-Eltern-Familie, da sie zur Ausübung der Berufstätigkeit eine Kinderbetreuung benötigt und andernfalls womöglich auf staatliche Hilfen angewiesen wäre. Wenn es soziale Kriterien gibt, die die Zuweisung eines Kindergartenplatzes für Sie besonders dringlich machen, scheuen Sie sich nicht, diese bei der Anmeldung im Kindergarten auch anzugeben.

3. Nutzen Sie die Kinderbetreuungsbörsen des Jugendamtes

Für die Kinderbetreuung in Deutschland ist das jeweilige Jugendamt vor Ort zuständig. Den Jugendämtern werden regelmäßig frei gewordene Kindergartenplätze gemeldet. Diese können entweder veröffentlicht werden oder nach einer Warteliste vergeben werden. Sollten Sie über die normale Anmeldung bei einer Kindertagesstätte keinen Betreuungsplatz erhalten haben, sollten Sie sich an das Jugendamt wenden und hier nach freien Plätzen fragen. Wenn auch hier keine freien Plätze vorhanden sind, lassen Sie sich einen Termin geben und schildern Sie einem Mitarbeiter Ihre Situation. Schon so manches Mal hat sich hieraus eine Möglichkeit ergeben.

4. In eine andere Gegend ziehen

Wenn Sie beispielsweise in einem kleinen Dorf wohnen und es nur einen schon völlig überlaufenen Kindergarten gibt, sollten Sie überlegen, ob ein Umzug in Frage käme. Diese Frage stellt sich natürlich insbesondere dann, wenn ohne Kindergartenplatz Ihre berufliche Existenz auf dem Spiel stände. Informieren Sie sich gezielt nach Gegenden, in denen es ein größeres Angebot an Betreuungsplätzen gibt. Gehen Sie hier direkt in die Kindertagesstätten und fragen nach wie Ihre Chancen auf einen Betreuungsplatz stehen. Einen solch drastischen Schritt wie einen kompletten Umzug muss man sich natürlich gut überlegen, oftmals aber ist er die einzige Möglichkeit schnell an einen Kindergartenplatz zu kommen und seine Stelle nach der Erziehungszeit nicht zu verlieren.

5. In Erinnerung bleiben

Es hat beim ersten Mal nicht geklappt und Sie haben eine Absage erhalten? Gehen Sie ruhig immer wieder mal in den Kindergarten Ihrer Wahl und erkundigen sich, ob nicht vielleicht ein Platz wegen Familienumzugs frei wird oder welche Möglichkeiten bestehen. Manchmal können Sie auf diese Weise auch erfahren, wenn in einer anderen Kindertagesstätte freie Plätze vorhanden sind. Und sie bleiben auf diese Weise im Gedächtnis und die Chancen stehen gut, dass sie tatsächlich eines Tages angerufen werden und der gewünschte Platz frei ist.

6. Private Einrichtungen

Da die Kapazitäten in öffentlichen Einrichtungen leider begrenzt sind entstehen immer mehr private Kindertagesstätten. Diese kommen vor allem für Familien mit einem guten Familieneinkommen in Frage, denn diese Plätze sind kostenpflichtig. Private Kindertagesstätten bieten dabei aber auch in der Regel schon ein recht hohes Niveau an frühkindlicher Bildung im kreativen und fremdsprachlichen Bereich an. Je nach Angebot der jeweiligen Einrichtung können schon monatliche Kosten bis zu 1000 Euro und in seltenen Fällen noch darüber hinaus entstehen. Für einen privaten Kindergarten entscheidet man sich daher in der Regel nicht aufgrund eines Mangels an Plätzen, sondern weil man sich für das entsprechende Angebot an frühkindlicher Bildung entschieden hat.

Einer der besten Vorzeige-Kindergärten wurde in Hamburg mit der Kita-Kinderzimmer gegründet.

7. Elterninitiativen

Wenn Sie in einer Gegend leben, in der Kindergartenplätze knapp sind, können Sie sicher sein, dass es anderen Eltern genau wie Ihnen geht. Hier kann man sich zusammentun und sich entweder im Kleinen mit der Betreuung der Kinder abwechseln, oder im Großen einen eigenen Kindergarten gründen. Schon viele Elterninitiativen haben auf diese Weise ganz praktisch etwas gegen die unzureichende Betreuung in ihrer Umgebung getan.

Wer in Deutschland keinen Betreuungsplatz für sein Kind über einem Jahr findet, hat darüber hinaus die Möglichkeit zur Klage, denn schließlich besteht Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz. Zwar wurde in einem vor kurzem gehaltenen Gerichtsprozess der Klage dreier Mütter stattgegeben, diese werden vermutlich Schadenersatz für den Verlust ihrer zuvor sicher geglaubten Stellen erhalten. Jedoch ist dies ein im Nachhinein erhaltenes Recht, die Arbeitsplätze sind schließlich bereits anderweitig vergeben. In Deutschland muss in den kommenden Jahren noch dringend etwas für ausreichende Kinderbetreuung getan werden.

Bildernachweis:
pixabay / cco public

Über Peggy Gallmeister

Check Also

YouTube und Gema sind sich endlich einig

Seit sieben Jahren suchen sie die YouTube-Nutzer heim: die Sperrbildschirme. Weil sich YouTube und die …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.