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Der Wal-Mart Effekt – Reichtum zu lasten anderer

Bildnachweis Alexas_Fotos / CC0 Public Domain-Pixabay.com

(AK) Wie so viele Trends begann auch der Wal-Mart Effekt in den USA. War es früher das Unternehmen General Motors, dass für das Gute in Amerika stand, so stellt sich heute die Frage, ob Wal-Mart genauso gut zu Amerika ist, wie es Amerika zu Wal-Mart war und ist.

Wal-Mart – Höhenflug ohne Ende?

Von einem Erfolg zum anderen jagen die Manager aus Bentonville den Konzern auf dem US-amerikanischen Mart. In Europa wollte sich das Wal-Mart-Prinzip allerdings bisher nicht wirklich durchsetzen. Aber Wal-Mart versuchte weiter mit möglichst billigen Preisen auch in Europa und China zum Höhenflug anzusetzen. Doch bis dahin müssen sich die Billigpreis-Spezialisten zunächst mit den Fragen der Amerikaner nach dem Phänomen des Wal-Mart-Effektes auseinandersetzen. US-Wirtschaftswissenschaftler ermittelten, dass gerade Wal-Mart das amerikanische Preisgefüge durcheinander gebracht hat und entsprechend auch Einfluss auf die Lebenshaltungskosten der amerikanischen Bevölkerung genommen hat. Stellt sich die Frage, ob dieser Effekt für Amerika und andere Länder wirklich so positiv ist oder ob er einzig und allein Wal-Mart nützlich ist.

Das Wirkungsfeld eines Riesen – Wal-Mart und die Zahlen

Die Zahlen lesen sich wie ein Krimi, denn Wal-Mart führt in seinen Geschäften über 120.000 unterschiedliche Artikel aus allen Bereichen und setzt zirka 300 Milliarden US-Dollar um. Allein im Lebensmittelbereich fallen an Wal-Mart zirka 20 % aller im Lebensmittelhandel getätigten Verkäufe. Zudem zeigt sich der Konzern als größter Pharmaanbieter der USA und auch zirka 10 % aller Importe aus China in die USA werden über die Ladentische des Konzerns abgewickelt. Beeindruckend ist auch die Anzahl der Mitarbeiter, die täglich bei Wal-Mart zupacken. 1,3 Millionen Menschen beschäftigt der größte Arbeitgeber Amerikas in seinen Filialen. Diese Zahlen unterstützen die Ansicht vieler Leute, dass Wal-Mart auf die Geldbeutel der amerikanischen Durchschnittshaushalte einen positiven Einfluss hat. Schließlich fallen gerade in den USA die hohen Kosten für Benzin, Energie und Dienstleistungen besonders ins Gewicht. Die günstigen Preise mit denen Wal-Mart lockt und hohe Rabatte bringen da schon Entlastung. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass kleine Preise auch lange Schatten werfen, die im Endeffekt wieder auf den Verbraucher zurückfallen.

Die Unternehmenspolitik – der lange Hebel

Mag die Tiefstpreispolitik auf den ersten Blick nur Vorteile für den Verbraucher bringen, so muss man bei einem Blick hinter die Kulissen feststellen, dass sich auf lange Sicht für einen Großteil der Amerikaner auch negative Aspekte herausbilden können. Da Wal-Mart den Herstellern quasi die Preise diktiert, geraten diese Unternehmen unter einem massiven Preisdruck. Über kurz oder lang werden viele Firmen diesem Preisdruck allerdings nicht mehr standhalten können. Einige Beispiele renommierter US-Marken, die damit dem Untergang geweiht wurden, sind schon zu beklagen. Dies bedeutet im Endeffekt für den Verbraucher, dass Wal-Mart durchaus auch für Arbeitsplätzeabbau steht. Zwar mögen Mitarbeiter von Wal-Mart einen relativ sicheren Arbeitsplatz ihr Eigen nennen, so mancher Kunde allerdings könnte bereits auf der Abschussliste stehen, ohne es zu wissen. Da Wal-Mart in den Preisverhandlungen am längeren Hebel sitzt, haben insbesondere Unternehmen, die keine anderen Absatzmöglichkeiten mehr offen haben, schlechte Karten und könnten entsprechend in den Ruin geführt werden.

Wal-Markt Effekt und der Wohlstand

Natürlich tobt in den USA eine heftige Debatte über den Wal-Mart-Effekt. Auf der einen Seite sorgen die Tiefstpreise des Supermarkt-Konzern natürlich dafür, dass die Lebenshaltungskosten sinken. Auf der anderen Seite wird allerdings der Lebensstandard in der Umgebung der Wal-Mart-Märkte ebenfalls niedrig gehalten. Studien belegen, dass in der Nähe der Wal-Mart-Supermärkte das Wachstum der Haushaltseinkommen unter dem Durchschnitt der Bezirke liegt, in denen Wal Mart nicht präsent ist. Besonders in die Kritik geraten ist Wal-Mart entsprechend nicht nur durch die Preispolitik den Herstellern gegenüber, sondern auch im Rahmen der Personalpolitik. Da werden kaum Sozialleistungen geboten und Löhne gedrückt. Doch dies bedeutet durchaus nicht, dass ohne Wal-Mart alles besser wäre.

Heftige Debatten in wirtschaftlichen Fachkreisen

Die Wal-Mart Expansionspolitik wird in den USA derzeit heftig diskutiert. In einem Punkt allerdings sind sich die Wirtschaftsexperten einig. Wal-Mart sorgt für ein sich änderndes wirtschaftliches Umfeld. Ansonsten allerdings gehen die Meinungen weit auseinander. Die Befürworter des Wal-Mart-Konzeptes sehen in den niedrigen Preisen einen wirtschaftlichen Antrieb, der die Lebenshaltungskosten senkt und den Lebensstandard hebt. Die Gegner sind der Meinung, dass die rigide Lohn- und Preispolitik eher einen Kaufkraftverlust, Armut und Jobabbau begünstigt. Fakt ist, dass in der Nähe der Wal-Mart-Märkte viele kleinere Einzelhändler innerhalb der ersten fünf Jahre nach Eröffnung eines Supercenters aufgeben mussten. Entsprechend fallen Arbeitsplätze in der Region weg. Zudem hat Wal-Mart sein Umfeld fest im Griff, da die meisten Arbeitsplätze hier geboten werden. Damit ist es leicht, das Gefüge der Löhne und Gehälter zu bestimmen. So ist es kein Wunder, dass der Riese nicht nur die Hersteller, sondern auch die Mitarbeiter voll im Griff hat.

Geänderte Vorgaben

Waren früher die Hersteller die treibende Kraft bei der Produktbildung und bestimmten selbst über die Art der Produkte und Preisgestaltung, so hat Wal-Mart diese Situation total verdreht. Nun bestimmt der Supermarkt Konzern, welche Produkte ein Hersteller und zu welchem Preis zu liefern hat. Wer nicht mit zieht, der ist dann halt aus dem Rennen. Eine Politik, die Wal-Mart sicherlich weiter expandieren lässt, aber für die herstellende Industrie eine große Gefahr bedeutet und der Monopolisierung Wege ebnet. Ob man eine solche Strategie gut heißen sollte, ist fraglich. Denn je mehr Macht der Supermarkt Konzern erhält, desto schwieriger wird es werden, die Folgen abzusehen. Bleibt abzuwarten, wie die Entwicklung des Wal-Mart-Effektes sich weiter auswirkt.

Des einen Freud – des anderen Leid

Wie bei so vielen Dingen im Leben, hat also auch der Wal-Mart-Effekt zwei Seiten. Verbraucher werden sich glücklich schätzen, die benötigten Produkte des täglichen Lebens preiswert einkaufen zu können und dann auch noch alles unter einem Dach vorzufinden. Auf der anderen Seite sind Tricks auch bei Wal-Mart an der Tagesordnung. So findet man neben den Tiefstpreisprodukten schließlich auch Markenprodukte in den einzelnen Produktkategorien, die durchaus als hochpreisig zu bezeichnen sind. Es ist also wichtig darauf zu achten, welches Produkt man bei Wal-Mart wirklich in den Einkaufskorb legt. Aber die Entscheidung liegt ja immer bei einem selbst. Dies gilt natürlich auch für Zulieferer, die sich darüber klar werden müssen, ob sie ihr Unternehmen in eine so große Abhängigkeit von nur einem Abnehmer steuern möchten. Denn auch wenn man in den USA an Wal-Mart kaum vorbeikommt, so kann man doch auch ganz gut ohne den Konzern zurechtkommen.

 

Über Andreas Kappler

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Ein Kommentar

  1. Wal-Mart Effekt – hm, lustige Bezeichnung. Das ist doch aber nicht nur dort so. Das gleiche Prinzip ist überall auf dem Wirtschaftsmarkt zu sehen. Und Schuld daran ist vor allem der Verbraucher. Würden die nämlich mal das Prinzip: „Wer billig kauft, kauft teuer“ kapieren, hätten solche Unternehmen gar keine Chance. Und dann sind da noch die Händler, die das unterstützen und sich selber das Wasser abgraben. Beispiel eines namhaften Unternehmens in Deutschland. Das Unternehmen hat Verkaufspreise vorgegeben, einige Händler haben sich zusammengeschlossen und geklagt. Wie irrsinnig ist das denn? Anstatt sich stark zu machen und mit mit Service und Seriösität zu glänzen, macht man sich gegenseitig nieder. Und dann sind da noch die unzähligen deutschen Firmen, die in China oder anderen Billigländern produzieren lassen. Wie viele Produkte, die man in Deutschland kauft, sind denn wirklich aus deutscher Hand? Das kann man an seinen 10 Finger abzählen. Preisdumping ist Trend.

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