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Das Riester-Dilemma – Wieso die Riester-Rente eine Lüge ist

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Wie hat es so schön geklungen, als im Mai 2001 verkündet wurde, dass sich das Sparen mit staatlicher Förderung zu einem Aufschwung der finanziellen Möglichkeiten – und vor allem Sicherheiten – führt. Als Zusatz zur regulären Rente, die damals beim Eintritt in das 66. Lebensjahr beziehungsweise unter verschiedenen Aspekten des körperlichen wie geistlichen Handicaps ausgeschüttet wurde, sollte eine Privatkapitalanlage aufgrund der demografischen Entwicklung der Vergreisung des deutschen Bundesgebietes eine Erleichterung der Finanzierung bringen und zudem das vorher angewandte Sicherheitsdenken bezüglich des eigenen Budgets erreicht werden. Mit diesen Subventionen für eigens gespartes Geldmittel brachte in der Theorie eine günstige Verlagerung der Investitionen des Staates auf die ständig einzahlende Bevölkerung. So – war der Plan – sollte die Jugend von heute und noch mehr von Morgen eine Sicherung der eigenen Rente, für die sie jetzt bereits einzahlen, zu erhalten und im Alter nicht durch ein ausgeschöpftes Finanzsystem vor dem leeren Rentenbudget und somit mittellos stehen.

Die wichtigste Vision war dabei die Erhaltung des Lebensstandards, damit sich das Lebensgefühl im Abschnitt des Seniorendaseins in keiner Weise abhängig sowie hilfsbedürftig und für einige vielleicht minderwertig anfühlen muss. Die große Kalkulation ließ sogar verkünden, dass mittels dieses neuen Finanzierungssystems im Gegensatz zu der bis dato bestehenden Regelung auch mehr Geld in die eigene Kasse käme. Nach 12 Jahren erster Auswirkungen und ein wenig verstrichener Zeit, um nicht zu kurzfristig zu urteilen, kann man sagen, dass wieder einmal Worte glänzten, sehr schön formuliert tatsächlich auch Sinn ergaben, aber es ein rein theoretisches Konstrukt ist und bleiben wird, welches mittlerweile die ersten Anzeichen auf eine bevorstehende Altersarmut aufzeigt. Auf freiwilliger Basis sind nach den Verkündungen und den ersten Jahren Verlauf immerhin 15 Millionen Verträge unterschrieben worden, aber sagt dies schon einen Fakt darüber aus, wie erfolgreich eine solche Reform ist! Neben den vielen Personengruppen, die sich dieses Prinzip durchgerechnet und dabei erkannt haben, dass es ihnen keinen Vorteil erbringt, muss man zudem bedenken, dass einige der Unterzeichner der Verträge dies eben nicht gemacht und vor allem aus Zukunftsängsten und dem gutwilligen Glauben an die „Führer“ der Gesellschaft ad hoc eine Reaktion vollzogen haben, sodass der Begriff „freiwillig“ doch unter einem größeren Einfluss stand, als es der Teil „frei“ in diesem Wort eigentlich preisgibt. Aus einer angepriesenen Jahrhundertreform, dem Modell der Steuereinsparung und den versprochenen Zulagen wird die Riester-Rente heutzutage eher von den Phrasen Riester-Flop, schlechte Renditen sowie Abzocke begleitet. Aber um dies beurteilen zu können, lohnt sich allemal ein detaillierter Blick in die Tiefe.

Wie realistisch passt die Riester-Rente in die heutige Zeit

Als Erstes wird der Blick bei der Riester-Rente natürlich auf die Zertifizierungsvoraussetzungen gelegt, welche im Mindesten die Ausschüttung der eingezahlten Beträge sichert oder die lebenslange Auszahlung garantiert – in dem Fall auch beim Ableben des privaten Vertragspartners an seine/n Hinterbliebene/n. Das klingt neben den variabel genannten Beträgen, den Ruhestellungsoptionen sowie der Möglichkeit der Kündigung doch recht universell und auf die Vertragsnehmer anpassungsfähig. Und zudem lockt bei der Eigenanlage immerhin noch die staatliche Förderungspauschale. Zudem wird die Aneignung oder die Herstellung von persönlichem Wohneigentum gefördert. Und zu all dem wird das Guthaben des Riester-Kontos, außerhalb sehr spezieller Fälle, nicht als Pfändungsmöglichkeit betrachtet oder in das Kapitalvermögen eingerechnet. Mit dem riesigen Pool an zulagenberechtigten sowie mittelbar zulagenberechtigten Personengruppen und einem nur sehr kleinen nicht zulagenberechtigten Personenkreis sollte die Riester-Rente doch eigentlich ein enormes Potenzial in sich bürgen. Aber kann es sein, dass sich im Lauf der Zeit – und es sind auf ein visionäres Rentensystem betrachtet – in immerhin „nur“ zehn Jahren tatsächlich die Rahmenbedingungen des Lebens im Beruf ein wenig geändert haben, wobei diese Berücksichtigung bei der Riester-Rente keine goldenen Früchte tragen.

Es gibt nicht wenige Personen, die sich trotz Rentendaseins ein Zubrot verdienen müssen, um das Geld, was meist gerade für die Miete reicht, noch ein wenig lebenswürdig aufzustocken. Durch viele körperlich wie seelisch anstrengende Arbeitsstellen, die zudem meist auch über die Jahre mit einer Mehrbelastung aufgrund eines größeren, ausgeweiteten Arbeitsfeldes entspringt oder bei denen durch Kostenreduzierung der Unternehmen mehr Verantwortung und Belastung auf die Angestellten umverteilt wird, ist die vormals abgeschlossene Riester-Rente durchaus in ihrem Rahmen nicht so flexibel anpassungsfähig, sodass die Rentenberechnungen, die bereits in den letzten Arbeitsjahren bei manch einem für Schreckenserkenntnisse sorgten, ein kleiner Ausblick auf das Rentenalter mit ein oder zwei Nebenjobs. Und wenn die Betroffenen in solchen Fällen zudem durch diese herrschende Mehrbelastung mitunter in den Vorruhestand übertreten müssen, damit sie sich nicht total entkräften, dann ist dieser Abstrich um einiges höher. Es ist nun einmal festgelegt, dass außer bei körperlich betroffenen Berufsgruppen wie Bergarbeitern oder Piloten, die von vornherein ihren Beruf nicht bis zum 60. Lebensjahr arbeiten – welches dem erstmöglichen Auszahlungstermin entspricht – die Auszahlung nur mit herben Verlusten bewirkt werden kann oder der Betroffene kündigungswirksam unter nahezu umsonst getätigten Sparmaßnahmen ebenso vor dem finanziellen Fass ohne Boden steht. Aus diesem vorzeitigen Ruhestand beziehungsweise allein schon bei der Umstellung auf Teilzeitarbeit ist die Ausschüttung um eine unverhältnismäßige Kürzung des Anspruches eingeleitet, sodass sich Arbeitnehmer entweder resigniert mit ihrer Situation abfinden oder schlimmstenfalls gegen die eigene Würde bis zu manchmal chronisch existenten, medizinischen Fällen förmlich durchs Leben „schleifen“ – alles nur, um sich den Lebensabend zu verdienen, obwohl sie 40 Jahre oder mehr gearbeitet haben.

Klar vor Augen zu führen ist nun der Fakt, dass sich ein vormalig eingezahlter Finanzrahmen im Gegensatz zum im Umlauf befindlichen Geld, nicht mit entwickelt. Das heißt, dass die Summen der Vertragsabschlüsse mit der realen Gewichtung des Geldwertes nach einigen wenigen Jahren schon nicht mehr in einem verhältnisvollen Bezug stehen. Des Weiteren wird bei der Ausschüttung die Versteuerung fällig, weshalb der eventuelle Gewinn fast in diesen Prozess integriert wird. Zudem wird eine Kalkulation der Versicherer auf ein potenzielles Seniorenleben errechnet, was sich ganz klar bei den Einzahlungsgrenzen widerspiegelt. Aufgrund einer hohen Einstufung des Altersabschnittes werden die Ersparnisse folglich aufgeteilt, was eine monatliche Senkung herbeiführt, da eine Gesamtsumme auf eine längere Zeit verteilt werden muss. So ergibt sich für die Senioren automatisch weniger Auszahlung pro Monat – als theoretisch verkündet. Jedoch ist der Todeszeitpunkt einer versicherten Person zudem auch meist weit vor diesem Kalkulationspunkt der Institute zu sehen, weshalb die restlichen Summen an das Versicherungsinstitut oder andere Partner übergeben werden.

Die Riester-Rente auf lange Sicht

Wenn sich die Prognosen für die nächsten zehn Jahre bezüglich der gesetzlichen Rente bestätigen – und es werden eher Vermutungen und Kalkulationen laut, dass dieser Senkung untertrieben präsentiert wird – erhalten im Jahr 2020 alle Betroffenen durchschnittlich zehn Prozent weniger Geld zur Alterssicherung. Ja klar ist genau für diese Entwicklung die geförderte Riester-Rente gedacht und in einigen Fällen auch deutlich hilfreich. Aber wenn sich die gesetzliche Rente immer weiter nach unten begibt, heißt dies automatisch auch, dass die Privatanlagen größer werden müssen – und dies nur, um den gleichen Stand zu erreichen. Mit dieser Erhöhung der Einzahlungen wird allerdings schon das erste Problem sichtbar, da es ja bereits ohne Rente viele Personengruppen gibt, die heutzutage schon nicht viel Budget hinterlegen können. Wenn dies jetzt noch mehr werden soll, wird der vorteilhafte Effekt aus einigen Verträgen automatisch erlöschen, obwohl die Konditionen immer noch fantastisch klingen werden.

Zum anderen weist eine aktuell bereits existente Erhöhung auf der Lebenshaltungskosten sowie sämtlicher Verteuerungen in der Lebensmittelbranche, den Hygieneartikeln, die Fahrpreise der öffentlichen Verkehrsbetriebe im Wohnort und nahezu aller Bereiche des privaten wie öffentlichen Lebens, dass die mit einer vermehrten Anzahlung erreichte Budgetlinie dann gar nicht mehr für diesen versprochenen Lebensstandard ausreicht. Es müssen folglich noch mehr Mittel für Einzahlungen bereitgestellt werden. Und in diesem Fall wird nur von einem allgemeinen Lebensstandard gesprochen, der für das Leben gerade ausreicht und nicht für ein Leben, in dem sich der Betroffene einmal etwas Verdientes wie einen Kleinwagen, eine Reise, eine neue Couch, vielleicht auch alterbezogene Themen wie Untersuchungen, spezielle Kleidung oder eine besondere Matratze für das geschundene Skelett gönnt – die Finanzierung des Lebens steht somit in den weit entfernten Sternen am Firmament. Bedeutet dies, dass die autonome Versorgung in den meisten Fällen versiegt? Hier muss man deutlich sagen, dass nicht alle sozialpolitischen Probleme auf die Riester-Rente abgewälzt werden können, jedoch eine Richtlinie bezüglich einer Rente unterhalb der Sozialhilfe bereits jetzt tendenziell erkennbar ist.

Daher ergibt sich für viele direkt Beteiligte wie auch abwägend unentschlossene Bürger immer wieder die Frage, ob die damals lautstark geführte Kampagne für eine kapitaldirekte Altersvorsorge und die fast unter den Tisch gefallene umlagefinanzierte Rentenplanung etwa mit einem Kalkül einer Lobby geführt worden ist. Sollten Provisionen, Prämien und all die anderen finanziellen Vergünstigungen beziehungsweise die Belebung toter Versicherungsbereiche für eine Kooperation zwischen Politik und öffentlichen Institutionen wie Banken oder Versicherungen gesprochen haben – der Steuerzahler könnte aufgrund der stark abweichenden Realität von den Versprechungen zu beginn der Riester-Rente leicht zu dieser Meinungen geführt werden.

Der Sündenbock Vergreisung

Im Durchschnitt lässt sich beobachten, dass das Bruttogehalt sogar stetig wächst. Das heißt, dass die Abgaben an den Staat tatsächlich selbst bei einer starken Vergreisung, wie es in Deutschland der Fall ist, sogar mit wenigen Prozenten, selbst einem einzigen pro Jahr, über die fortwährenden Jahreszyklen diesen Altersanstieg abfangen kann, wobei sogar ein gewisses Potenzial zur Refinanzierung und eines Einnahmeüberschusses besteht. Doch dann bricht auch schon wieder das nächste Problem an die Oberfläche, da die Verteilung des Mehrgewinnes geregelt werden muss – möglichst fair! Auch wenn das Problem der steigenden Lebenshaltungskosten sowie der Versorgung dennoch existiert, ist eindeutig zu verzeichnen, dass die damalige Preisung der „Jahrhundertreform“ als Lösung der Vergreisung in der Darstellung komplett falsch angesetzt war, weil dieses vermeintliche Problem einfach zu lautstark, zu populistisch und zumindest ein wenig zu kalkuliert auf die Bürgerschaft übertragen wurde, sodass ein gewisses Angstpotenzial geschürt worden ist. Und auch hierbei ist wieder einmal erkennbar, dass die Verlautbarung der Presse – ob es Spiegel, Focus, Stern oder selbst die BILD betrifft – ohne eine dezidierte Darstellung dennoch einen großen Einfluss an der Meinungsbildung der Menschenmasse im Land besitzt.

Bitte sehen Sie sich auch folgende Reportage an:

Über Andreas Kappler

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2 Kommentare

  1. Auch sehr zu empfehlen:

    Umlagen- oder Kapital-finanzierte Vorsorge. Wie funktioniert das? Wer schürt unsere Ängste. Wer profitiert?
    Teleakademie-Vortrag aus dem Jahre 2012, Universität Freiburg, Prof. Dr. Gerd Bosbach

    http://www.youtube.com/watch?v=vfWXWRkoJbc

  2. Niemand wird durch die Riesterei mehr Rente haben.
    Das war auch gar nicht geplant, sehr gut nachrecherchiert von Holger Balodis und Dagmar Hühne in ihrem Buch, „Die Vorsorgelüge“.
    auch hier zu hören:
    http://www.youtube.com/watch?v=Xh4l5uLoJxE
    Die gesetzliche Rentenversicherung ist entsprechend geringer durch willkürliche Kürzungsfaktoren.
    Die angeblichen Zulagen bezahlen die heutigen und zukünftigen Rentner alle selbst.
    Allein die Versicherungs- und Finanzwirtschaft hat der Politik die Marschrichtung diktiert.
    Die aus den Löhnen stetig eingezahlten Rentenbeiträge unterlagen schon immer der Begehrlichkeit der Finanzjongleure.
    Die gesetzliche Rentenversicherung ist willkürlich zerstört worden, mit extra dafür ab 2004 durch ROTGRÜN zurecht
    gestrickten Gesetzen in den Sozialgesetzbüchern. Nachhaltigkeitsfaktor, Nachholfaktor und Riesterfaktor.
    Besondere Auswirkungen hat das Alterseinkünftegesetz:
    http://altersarmut-per-gesetz.de/
    Der §255 d,e SGB VI hat zur Folge, dass schon die heutigen Rentner, die gar nicht riestern konnten, die Zulagen mitbezahlen, direkt ind Taschen der Versicherungsindustrie.
    Die Auswirkungen der Riestertreppe:
    http://www.portal-sozialpolitik.de/uploads/sopo/pdf/2013/2013-04-03-Die_Anpassung_der_Renten_2003_bis_2013_PS.pdf

    Allerdings hat die Zerstörung der einzig sicheren Altersversorgung (weil keine privaten Saugnäpfe installiert sind und gleich
    verteilt wird, was rein kommt und nicht am Finanzmarkt verzockt werden kann)
    noch eine andere gravierende Ursache:
    http://www.rentenreform-alternative.de/versichfremd.htm#2

    Der Zweck der gesetzlichen Rentenversicherung ist, auskömmliche Renten zu zahlen, Alters- Invaliden- und Hinterbliebenenrenten.
    Das allein könnte locker geleistet werden, wenn der Privatisierungswahn nicht alles zerstören würde. Das was die GRV leistet, wird niemals eine private Rentenversicherungs im Sinne einer friedenssichernden Grundlage für die Gesellschaft leisten können.

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