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Das Doppelgesicht von Nietzsches Übermensch

(CW) Kaum ein Thema ist in der Philosophie so umstritten wie Nietzsches Übermensch. Was meint Friedrich Nietzsche damit? Übermensch hört sich ja schon ganz dramatisch an, da dräuen stets im Hintergrund Diktatur und Menschenzucht. Das verbinden wir damit aber vor allem durch unsere historischen Erfahrung. Der Übermensch scheint fast sinnbildlich zu stehen für Hitler und den Nationalsozialismus.

Das ist aber eine verkürzte Sicht der Dinge. Wer genauer in die Philosophie Nietzsches einsteigt, findet zu einer differenzierten Auffassung. Dies im Einklang mit der heutigen philosophischen Forschung. Der Übermensch bei Nietzsche speist sich aus zwei Quellen. Der Übermensch ist sich klar, dass es in der Welt die ewige Wiederkehr des Gleichen gibt. Damit meint Nietzsche, dass alles Erleben, alles Tun, alle Zustände endlich sind, das Universum aber unendlich ist. Daraus folgt, dass die endlichen Zustände im unendlichen Universum sich immer wiederholen müssen. Wer sich dieser Wahrheit mit aller Konsequenz stellt, der ist der Übermensch. Der Übermensch ist geprägt durch Selbstdisziplin und Kreativität, er überwindet die engen menschlichen Alltagsgrenzen. Das ist große philosophische Tradition und kein Anklagepunkt. In Nietzsches Schriften findet sich aber auch die Verbindung des Übermenschen zu Sozialdarwinismus und Eugenik, einer starken Strömung Ende des 19. Jahrhunderts. Die Gene bestimmen dort den Menschen. Biologismus pur. Das ist der Anklagepunkt, warum das Konzept des Übermenschen in Verruf geraten ist.

Es bleibt dabei, Friedrich Nietzsche ist ein schillernder Philosoph, der aus vielen Quellen schöpft. Einiges davon kann auch heute noch akzeptiert werden, anderes ist heute zu verurteilen.

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